ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 3/2002Denguefieber/Malaria/Gelbfieber: Infektionen nehmen zu

Supplement: Reisemagazin

Denguefieber/Malaria/Gelbfieber: Infektionen nehmen zu

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): [23]

Schrörs, Hans-Jürgen

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erkrankter Patient: Dengueinfektionen können schwer verlaufen und zu inneren Blutungen führen.
erkrankter Patient: Dengueinfektionen können schwer verlaufen und zu inneren Blutungen führen.
Meldungen aus aller Welt unterstreichen, dass sich die Inzidenz von Dengueinfektionen zum Teil verdoppelt hat. Kürzlich meldete die WHO 19 Neuerkrankungen in Hongkong. Die Viren werden durch Aedes- Stechmücken übertragen, wobei es regional unterschiedliche Serotypen gibt. Die Erkrankung kommt häufig in Tropen und Subtropen (auch in Städten), besonders in Lateinamerika, der Karibik, im Pazifik, in Südostasien, neuerdings aber auch auf Hawaii und in Hongkong vor. Die Inkubationszeit vom Insektenstich bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt in der Regel zwei bis neun Tage. Denguefieber verläuft grippeähnlich mit hohem Fieber sowie starken Glieder- und Muskelschmerzen. In Einzelfällen kann ein masernähnlicher Hautausschlag auftreten. In der Regel heilt das Denguefieber ohne Folgen ab. In einigen Fällen kann es jedoch zum hämorrhagischen Denguefieber (DHF) kommen, einer seltenen Variante, bei der es zusätzlich zu inneren Blutungen kommt. Das DHF ist eine schwere Erkrankung, die auch tödlich verlaufen kann. Die Diagnose des Denguefiebers kann ab dem vierten Tag immunologisch durch Blutuntersuchungen gesichert werden. Bei den Krankheitssymptomen müssen Malaria, Gelbfieber und andere hämorrhagische Virusfieber ausgeschlossen werden. Auch Typhus, Masern und Röteln können in Betracht gezogen werden.
Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Insofern kommt nur eine symptomatische Behandlung infrage. Dazu gehören insbesondere schmerz- und fiebersenkende Mittel. Acetylsalicylsäure (ASS) darf wie bei allen Viruserkrankungen, bei denen es zu inneren Blutungen kommen kann, nicht eingenommen werden.
Was müssen Reisende beachten?
Impfungen gibt es bisher noch nicht. Die Mücken vermehren sich besonders gut in feuchter Umgebung, zum Beispiel in Regenzeiten besonders auch in Pfützen, wassergefüllten Dosen und Autoreifen. Die Überträgermücken kommen nicht nur in Dschungelgebieten, sondern insbesondere in Urbanisationen vor. Die Mücken können sich auch in Swimmingpools vermehren. Einziger Schutz bietet die Expositionsprophylaxe mit Moskitonetzen und Einreibemitteln für die Haut, wie zum Beispiel Autan®. Vorsicht ist geboten, wenn es nach einer Denguefiebererkrankung zu einer erneuten Ansteckung mit einem anderen Virustypen kommt. Dabei tritt besonders häufig die hämorrhagische Form, das DHF, auf. Darüber sollten Reisende aufgeklärt sein, die schon einmal am Denguefieber erkrankt waren.
Last-Minute-Check
Auch „in letzter Minute“ kann noch geimpft werden. Die zunehmende Zahl von Auslandsreisenden in tropische Gebiete führt auch zu einem größeren Angebot an „Last-Minute-Reisen“. In der Regel empfehlen Tropen- und Reisemediziner, dass mit Schutzimpfungen sechs bis acht Wochen vor der Abreise begonnen werden sollte. Die verbreitete Meinung, der verbleibende Zeitraum vor einer Last-Minute-Reise reiche nicht aus, um noch Impfungen durchzuführen, muss relativiert werden.
Zu den Impfvorschriften des internationalen Reiseverkehrs gehören heute nur die Impfungen gegen Meningokokkenmeningitis und Gelbfieber. Ein Impfschutz gegen Meningokokkenmeningitis wird für Mekka-Pilger beim Visumsantrag für die Einreise nach Saudi-Arabien verlangt. Eine Impfung gegen Gelbfieber ist in einigen afrikanischen Ländern obligatorisch, bei vielen Ländern dann, wenn man direkt aus einem potenziellen Gelbfiebergebiet einreist. Sie muss spätestens zehn Tage vor der Einreise verabreicht worden sein. In den viel bereisten Ländern, wie zum Beispiel Kenia oder Brasilien, besteht ein regionales Gelbfieberrisiko, eine Impfvorschrift gibt es für diese Länder jedoch nicht. Da aber für Gelbfieber keine wirksame Therapie vorhanden ist, wird eine Impfung für Reisende in Risikogebiete generell empfohlen. Eine Gelbfieber-
impfung ist kurz vor einer Last-Minute-Reise durchführbar und sinnvoll, auch wenn die Reise in weniger als zehn Tagen beginnt. Ein sich langsam aufbauender Impfschutz ist besser als gar keiner.
Folgende Impfungen können unmittelbar vor der Abreise durchgeführt werden:
- Tetanus und Diphtherie: bei Reisen in alle Länder der Welt
- Poliomyelitis: bei Reisen in einige afrikanische, asiatische und osteuro-
päische Länder
- Hepatitis A: bei Reisen nach Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika
- Gelbfieber: bei Reisen in das tropische Afrika und Südamerika sowie
- Typhus: bei Reisen in Länder mit niedrigem hygienischem Standard, besonders bei engen sozialen Kontakten und Trekkingreisen.
Malariaprophylaxe
Die medikamentöse Malariaprophylaxe kann jederzeit vor einer Last-Minute-Reise begonnen werden. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass sich der Medikamentenspiegel im Blut langsam aufbaut. Normalerweise beträgt diese Zeit eine Woche. Wird eine „Schnellprophylaxe“ empfohlen, ist die Dosis der ersten Woche sofort bei Reisebeginn einzunehmen. Anschließend erfolgt die Einnahme nach dem empfohlenen Schema. Die Malaria-Schnellprophylaxe ist besser als gar keine Vorsorge, sollte aber die Ausnahme sein.
Impfmanagement
Impfvorschriften sind bei der Einreise in ein Land erforderlich und müssen beim Visumsantrag oder spätestens bei der Einreise nachgewiesen werden. Impfempfehlungen werden von der WHO oder von nationalen Institutionen zusammengestellt. Sie sind nicht verpflichtend, werden aber zum persönlichen Schutz dringend empfohlen. Dr. med. Hans-Jürgen Schrörs, www.reisevorsorge.de
Überträgerin des Denguefiebers sind Aedes-Stechmücken. Fotos: Bayer AG,WHO/P.Virot
Überträgerin des Denguefiebers sind Aedes-Stechmücken. Fotos: Bayer AG,WHO/P.Virot
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