ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1996Ausgaben: Keine Tabus bei Leistungen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Ausgaben: Keine Tabus bei Leistungen

Gutzeit, T.

Zu dem Kommentar "Undankbare Aufgabe" von Prof. Dr. med. Karl Ernst von Mühlendahl in Heft 34?35/1996
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LNSLNS Der Autor vergleicht in seinem Kommentar das Gesundheitswesen mit einem Autoladen. Ich halte diesen Vergleich für sehr gut, da auch beide Varianten eines Blechschadens im Gesundheitswesen vorkommen und die Folgen vergleichbar sind: Wenn man mit einem Schaden in der Werkstatt vorfährt, ist immer die erste Frage des Werkstattbesitzers: Versicherungsschaden oder selbst schuld? Und man kann sicher sein, daß der Versicherungsschaden wegen der Gleichartigkeit der Interessen von Werkstatt und Autobesitzer an einer möglichst aufwendigen Reparatur doppelt so teuer wird wie ein selbst verschuldeter Schaden. Das unglückselige Dreiecksverhältnis Patient (Autobesitzer) – Werkstatt (Praxis) – Versicherung ist auch hier ein kostentreibender Faktor ersten Ranges.
Bedauerlicherweise sind die Reparaturen im Gesundheitswesen in den letzten Jahren so viel teurer geworden, daß die Prämienzahler murren und in die Schwarzarbeit ausweichen. Die Politiker als hehre Lenker der ganzen Veranstaltung haben leider bisher keine bessere Idee hervorzaubern können, als die Werkstatthonorare zu begrenzen. Und weil das so ist und wohl auch in Zukunft nicht anders werden wird, ist die Schlußfolgerung des Autors, es sei Sache der Politiker, Leistungsausgrenzungen zu beschließen, falsch.
Wenn wir unseren Auftrag, bestmögliche Medizin, ernst nehmen, müssen Leistungsausschlüsse medizinisch sauber begründet werden, und das kann nur durch medizinischen Sachverstand geschehen. Oder sollen Politiker definieren, bis zu welchem Alter eine Dauerdialyse "lohnt"? Oder sollen die Vertreter der Industrie definieren, was als medizinischer Fortschritt zu gelten hat?
Nein, wir Ärzte müssen Gremien schaffen, die definieren, was bei vorgegebener Geldmenge finanzierbar ist, und da dürfen in der Exkommunikation von medizinisch nicht begründbaren Leistungen keine Tabus bestehen.
Dr. med. T. Gutzeit, Bayerischer Platz 9, 10779 Berlin
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