ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002Mammakarzinom: Wichtigste Maßnahme - Minimalinvasive Mammabiopsie

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Mammakarzinom: Wichtigste Maßnahme - Minimalinvasive Mammabiopsie

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): A-3318 / B-2796 / C-2606

Grunert, Jens-Holger

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LNSLNS Herr Professor Lauterbach beklagt zu Recht die zu hohe Anzahl von retrospektiv unnötigen offenen Mammabiopsien zur Abklärung malignomverdächtiger Herde in der Brust. Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung dieser unnötigen Operationen, die aufgrund der Narbenbildung eine spätere Früherkennung deutlich erschweren, wird lediglich gegen Ende seines Artikels erwähnt: die minimalinvasive Mammabiopsie (Trucutstanz- oder Vakuumsaugmethode). Diese eleganten und schonenden ambulant durchzuführenden diagnostischen Verfahren werden nur deswegen nicht durchgeführt, da sie nicht Teil des EBM-Leistungskataloges sind und daher nicht vergütet werden. Kostenübernahmeerklärungen vonseiten der Krankenkassen werden in der Regel unter Verweis auf unwissenschaftliche, der Methode gegenüber kritisch eingestellte Gutachten vehement verweigert. Hier muss eine Aufnahme der minimalinvasiven Methoden in den Leistungskatalog ambulanter Leistungen erfolgen.
Herr Lauterbach stellt die hohen positiven Vorhersagewerte der holländischen Screeningprogramme (76 %) als vorbildlich hin. Diese Werte sind teilweise durch den Einsatz minimalinvasiver Biopsiemethoden präoperativ erklärt. Außerdem ist bekannt, dass ein hoher positiver Vorhersagewert auch zulasten der Sensitivität erreicht werden kann. Eine bewusst in Kauf genommene niedrige Sensitivität zugunsten einer hohen Spezifität und eines hohen positiven Vorhersagewertes mag epidemiologisch ausreichend erscheinen, im Hinblick auf unser individualmedizinisch ausgerichtetes Gesundheitssystem mit ausgeprägter Prozessfreudigkeit ist dieses Vorgehen den betroffenen Frauen nur schwer zu vermitteln. Den niedergelassenen mammographierenden Ärzten von heute die Vorhersagewerte aus der Anfangszeit der Deutschen Mammographiestudie zuzuschreiben (26 %) ist sicherlich nicht gerechtfertigt und mit gesundheitspolitischen Absichten verbunden. Zum einen sind die technisch unzureichenden Mammographieeinheiten von damals verschwunden, zum anderen wird zu einem hohen Prozentsatz bei schwierigen röntgendichten Brüsten eine ergänzende Ultraschalluntersuchung – oft auch ohne Vergütung – durchgeführt. Bereits in der Deutschen Mammographiestudie konnte durch Schulungen der PPV von 16 auf 58 % gesteigert werden. Die seit Herbst 2002 obligatorischen jährlichen Prüfungen aller mammographierenden Vertragsärzte mit begleitenden ebenfalls obligatorischen Weiterbildungsveranstaltungen werden das Niveau weiter deutlich heben.
Priv.-Doz. Dr. med. Jens-Holger Grunert,
Georgstraße 16, 30159 Hannover
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