ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002Gesundheitsreform: Thesen

BRIEFE

Gesundheitsreform: Thesen

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): A-3320 / B-2798 / C-2607

Kummer, Karl-Reinhard

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Kreis um Prof. Eekhoff schlägt zu Recht vor, die Kran­ken­ver­siche­rungspflicht auf alle Bürger auszudehnen und die Eigenverantwortung zu stärken. Jedoch reichen diese Vorschläge nicht aus.
Dazu hat sich der Sozialwissenschaftler Udo Herrmannstorfer geäußert, dessen Hauptanliegen hier thesenartig geschildert werden sollen:
- Das Gesundheitswesen muss von der Mündigkeit des Patienten ausgehen. Nur er kann die Verantwortung für sich und seine Gesundheit tragen.
- Das Gesundheitswesen ist kein freier Markt, mit marktwirtschaftlichen Lösungen wird man der Solidarität nicht gerecht.
- Bürger/Patienten müssen aktiv an der Gestaltung und Weiterentwicklung des Gesundheitswesens beteiligt werden, dem Dirigismus ist entgegenzuwirken.
- Der Sozialausgleich unter allen Bürgern muss zum Prinzip werden, alle Bürger müssen einen sozial fairen Beitrag leisten.
- Ein gesellschaftlicher Konsens muss gefunden werden, ab welcher Höhe für den Einzelnen Krankheitskosten unzumutbar hoch sind und solidarisch von der Gemeinschaft finanziell getragen werden.
- Therapiefreiheit und Pluralität sind eine Voraussetzung.
- Der staatliche Einfluss hat sich zurückzuziehen, insbesondere aus inhaltlichen Fragen der Medizin.
- Die Infrastruktur darf sich nicht amortisieren müssen, Infrastruktur muss als „Vorhaltekosten“ von der Allgemeinheit solidarisch vorfinanziert werden. Dadurch entfällt der Zwang zur betriebswirtschaftlichen Nutzung der Einrichtungen, es entsteht keine Mengenausweitung.
- Zur Finanzierung sollten anstelle von (in die Exportkosten eingehenden) Versicherungsbeiträgen andere Lösungen gesucht werden. Eine mehrwertsteuerartige Finanzierung zum Beispiel würde die Exportpreise nicht belasten und wäre international wettbewerbsneutral.
- Das Gesundheitswesen sollte regional organisiert werden, um patientennah und bedarfsgerecht zu sein. Regional müssen Beratungs- und Entscheidungsgremien von Patienten und Leistungserbringern gebildet werden.
- Die Krankenkassen sollten auf die Verrechnung und den sozialen Ausgleich unverhältnismäßig hoher Krankheitskosten beschränkt werden.
- Eine Einbeziehung der vollen Verantwortung des Patienten für sich und seine Gesundheit wird auch zu erheblichem Einsparpotenzial führen.
Dr. Karl-Reinhard Kummer, Posseltstraße 7, 76227 Karlsruhe
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige