ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002Software für die Neonatologie: Datenerfassung und Qualitätssicherung

VARIA: Computer

Software für die Neonatologie: Datenerfassung und Qualitätssicherung

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): A-3350 / B-2820

Küster, Helmut

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Dokumentationsfenster zum stationären Verlauf
Dokumentationsfenster zum stationären Verlauf
Das Programm „Neolink2000“ vernetzt DRG-gerecht sämtliche an der Versorgung Früh- und Neugeborener Beteiligten.

Seit vielen Jahren wird in der Neonatologie Qualitätssicherung praktiziert. Standard ist dabei die Eingabe eines festgelegten Datensatzes, der ausschließlich Angaben zum stationären Aufenthalt eines Kindes umfasst, sowie eine spätere zentrale Auswertung ohne Verknüpfung zur Perinatalerhebung. Wünschenswert wäre jedoch eine Erfassung aller wesentlichen Daten von der Zeit vor der Geburt bis lange nach der Entlassung. Denn nur anhand dieser Daten lässt sich unter dem Blickwinkel der späteren Entwicklung eines Kindes die Qualität der stationären Arbeit beurteilen. Darüber hinaus ermöglicht eine Auswertung vor Ort auch die Beantwortung aktueller Fragen.
Daher wurde in der Neonatologie des Dr. von Haunerschen Kinderspitals, München, in den vergangenen 15 Jahren eine Software entwickelt, mit der sich nicht nur Daten der vorgeburtlichen Anamnese, der Erstversorgung und des gesamten stationären Verlaufs erfassen lassen, sondern auch solche, die sich auf den Verlauf nach der Verlegung oder Entlassung beziehen. Die Software „Neolink2000“ ermöglicht eine Vernetzung von Geburtshelfern, Neonatologen, ambulant tätigen Kinderärzten und Entwicklungsneurologen, die den Informationsaustausch erleichtert und die Qualität der Patientenversorgung verbessert. Außerdem sind die wichtigsten administrativen Aufgaben integriert, die der Arzt bei der Patientenbetreuung benötigt.
Besonderheiten
Die Datenerfassung ist zur besseren Übersicht entsprechend dem zeitlichen Ablauf von der Pränatalzeit bis zum Verlauf nach der Entlassung gegliedert. Innerhalb des stationären Verlaufs sind die Eingabemasken nach Organsystemen sortiert. Zusätzliche Angaben, zum Beispiel für Studien, sind auf einer frei gestaltbaren Seite möglich. Sämtliche Datenfelder der Neonatalerhebung sind integriert, ebenso die für das kommende European Neonatal Network.
Die Eingabemasken sind einheitlich strukturiert und enthalten zweispaltig angeordnete Einzelfragen. Im unteren Teil der Masken befindet sich ein Textfeld, in das über Textbausteine oder als freier Text abgeschlossene Behandlungsabschnitte oder Besonderheiten eingetragen werden können. Dadurch lässt sich bei einer plötzlichen Verlegung ein Brief schnell erstellen (siehe Abbildungen).
Jedes Datenfeld ist exakt definiert; die Definitionen sind an jedem Feld aufrufbar. Bereits während der Eingabe erfolgt eine Plausibilitätsprüfung. Alle Vorgaben (Briefe und Formulare, Fehlermeldungen, Auswahllisten, Textbausteine, Hilfetexte) können einfach an die lokalen Wünsche adaptiert werden. Arbeitserleichterungen entstehen durch viele Automatikfunktionen, wie beispielsweise die Formulierung von unterschiedlich ausführlichen Arztbriefen, die automatisierte Generierung von Entlassungsempfehlungen und Formularen.
Automatisierte DRG-Erfassung
Automatisierte DRG-Erfassung
Verschiedene Statistikarten ermöglichen dem Benutzer eine rasche Analyse eigener Fragestellungen. Jede Statistik kann als Prozentsatz, Auflistung betroffener Kinder oder Text (zum Beispiel Zusammenfassung über verstorbene Kinder für die Perinatalkonferenz) ausgegeben und in Tabellenkalkulationsprogrammen (Excel, SPSS) verarbeitet werden. Individuell zusammengestellte statistische Abfragen können gespeichert und wieder benutzt werden.
Ein Datenaustausch mit anderen Programmen, beispielsweise dem verbreiteten Krankenhausinformationssystem SAP-ISH, vermeidet zeitaufwendige und fehlerbehaftete Doppeleingaben. Die automatische Übernahme von Daten aus anderen Abteilungen verringern ebenso Informationslücken und Übertragungsfehler wie die Übermittlung der Daten zur Neonatalerhebung entsprechend den Vorgaben der „Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der stationären Versorgung“.
„Neolink2000“ ist ein mehrplatzfähiges System auf der Basis von FoxPro. Datenschutz und Datensicherheit sind durch differenzierte Zugriffsrechte mit Passwortschutz garantiert. Ein Netzbetrieb ermöglicht mehreren Benutzern gleichzeitig den Zugriff auf sämtliche Patientendaten und Briefe.
DRG-gerechte Erfassung
Im Hinblick auf die Einführung des DRG-(Diagnosis Related Groups-)Entgeltsystems für die stationäre Versorgung wurde die aufwendige Erfassung der Diagnosen und Prozeduren automatisiert. Da sich im DRG-System die Diagnosengruppe für die Früh- und Neugeborenen (MDC15) durch die größte Spanne zwischen der niedrigsten und höchsten Vergütungsstufe auszeichnet, wirken sich falsche oder unvollständige Angaben der Diagnosen oder Prozeduren hier besonders stark aus. Darüber hinaus ist die Datenerfassung allein durch die Größe der beiden Kataloge (12 401 Diagnosen, 23 000 Prozeduren) und die Komplexität der Regeln (9 004 mögliche Einteilungen) fehleranfällig, vor allem aber zeitaufwendig. Das Programm führt auf Knopfdruck schnell eine Analyse der eingegebenen Daten durch und leitet daraus die Diagnosen eines Kindes und die durchgeführten Prozeduren ab. Die Diagnosen und Prozeduren werden codiert, die Validität der Daten anhand der komplexen DRG-Codierrichtlinien überprüft, die zu erwartende Entgeltsumme berechnet und die Daten an das zentrale Krankenhausinformationssystem übertragen. Der zugrunde liegende Algorithmus kann den Veränderungen im Abrechnungssystem angepasst werden.
Der Anwender muss daher nach Öffnen der Eingabemaske für die Diagnosen und Prozeduren lediglich die Taste „Vorbelegen“ betätigen, um die meisten Diagnosen sofort aufgelistet und verschlüsselt vorliegen zu haben. Weitere Diagnosen können entweder über die ICD-/OPS-Nummer oder über den integrierten vollständigen ICD- und OPS-Katalog eingegeben werden, der nach Organsystemen und Häufigkeit des Vorkommens sortiert ist. Mit dieser Erweiterung der Software lassen sich die Diagnosen und Prozeduren schneller und korrekter erfassen als zuvor.
Für das Vernetzungs- und das zukunftsträchtige Entwicklungskonzept wurde die Software mehrfach prämiert. Auch unter DRG-Gesichtspunkten wurde es durch die Verleihung des Klinikförderpreises der Bayerischen Landesbank und des Medvantis-Forschungspreises ausgezeichnet. Informationen und eine Demoversion sind unter www.neolink.de erhältlich.
Helmut Küster, Anne Rothe,
Dieter Prochaska, Gert Lipowsky

Anschrift für die Verfasser:
Dr. med. Helmut Küster
Neonatologie des
Dr. von Haunerschen Kinderspitals
in der 1. Universitäts-Frauenklinik
der Ludwig-Maximilians-Universität
Maistraße 11, 80337 München
Telefon: 0 89/51 60-45 35
E-Mail: kuester@neolink.de
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