ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002Migränetherapie mit Triptanen: In Deutschland bisher noch wenig beliebt

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Migränetherapie mit Triptanen: In Deutschland bisher noch wenig beliebt

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): A-3353

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Im europäischen Vergleich bildet Deutschland das Schlusslicht, was die Therapie von Migränepatienten mit Triptanen betrifft. Ein Betroffener erhält in den Niederlanden und Schweden etwa die vielfache Menge an Triptanen, und selbst in Großbritannien, Italien und Spanien werden pro Kopf höhere Mengen verordnet. Einen Grund hierfür sieht Prof. Gunther Haag (Elztal) in einem falsch verstandenen Kostenbewusstsein. Das häufig praktizierte „gestufte Vorgehen“ – Triptane erst dann, wenn Analgetika nicht ausreichend wirksam sind – führe zu einem unnötigen Verlust an Lebensqualität.
Sinnvoller sei eine „stratifizierte Therapie“, die sich an der Schwere der Attacken orientiert: bei eher leichten Kopfschmerzen Analgetika und nichtsteroidale Antirheumatika, bei schweren dagegen sofort Triptane – allerdings an höchstens acht bis zehn Tagen pro Monat. Wie Haag betonte, sind 70 Prozent der Migränepatienten zwei Stunden nach Einsatz von Triptanen wieder voll funktionsfähig. Für Rizatriptan (Maxalt®) ist bei 79 Prozent der Patienten eine deutliche Besserung der Kopfschmerzen innerhalb einer Stunde dokumentiert, drei Viertel sind nach zwei Stunden schmerzfrei.
Ob die – aufgrund der Magenstase – bisher empfohlene Kombination des Analgetikums mit einem prokinetischen Antiemetikum tatsächlich sinnvoll ist, scheint inzwischen fragwürdig. Nach Aussage von Prof. Hans Christoph Diener (Essen) steht diese Empfehlung auf „wackligen Beinen“; in Zukunft werde wohl zunächst zu einem Versuch ohne Antiemetikum geraten werden.
In der nichtmedikamentösen Behandlung hat eine Methode der wissenschaftlichen Überprüfung auch nicht standgehalten: Das autogene Training wird in den neuen Richtlinien nicht mehr aufgenommen – anders als Biofeedback oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, diese ist nach den Erfahrungen des Göppinger Schmerztherapeuten Dr. Helmut Staudenmayer auch bei Kindern sehr wirksam. Dr. Renate Leinmüller

Pressekonferenz der Firma MSD „Rizatriptan bei Migräne“ am 26. September 2002 in Mannheim
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