ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002Mehr Eigenkapital: Restriktive Kreditpolitik der Banken

VARIA: Praxisführung

Mehr Eigenkapital: Restriktive Kreditpolitik der Banken

Dtsch Arztebl 2002; 99(49): A-3354

Vetter, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Experten warnen: Spätestens im nächsten Jahr werden die meisten Firmenkunden nach den Kriterien von „Basel II“ geratet. Foto: BilderBox
Experten warnen: Spätestens im nächsten Jahr werden die meisten Firmenkunden nach den Kriterien von „Basel II“ geratet. Foto: BilderBox
Als mittelständische Unternehmer spüren viele Ärzte die Folgen der „Basel II“-Diskussion.

Die Kreditwürdigkeitsprüfungen der Banken sollen sich offiziell erst ab 2006 verschärfen. Derzeit arbeitet der Kreditausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel an einer Reform des Eigenkapitalstandards für die Kreditinstitute („Basel II“).
Das Problem ist, dass immer mehr Banken versuchen, die zu erwartenden Veränderungen zu ihren Gunsten bereits heute auszunutzen. Mittelständischen Unternehmern fällt es deshalb zunehmend schwer, Kreditverlängerungen ohne höhere Zinssätze oder zusätzliche Kreditsicherheiten zu erhalten. Selbst auf langjährige Hausbankverbindungen wird dabei kaum mehr Rücksicht genommen. Wenn sich die restriktive Kreditvergabepolitik in diesem Umfang fortsetzt, muss mit einem unternehmerischen „Flächenbrand“ gerechnet werden, der für eine Vielzahl von Ärzten in der Insolvenz enden könnte.
Viele Ärzte haben sich mit der „Basel II“-Problematik noch nicht ausreichend auseinander gesetzt, sodass sie auf Aktionen ihrer Banken häufig falsch reagieren. So versuchen Banken, Ärzten zur Verfügung gestellte Kontokorrentkredite auf dem Geschäftskonto zu kürzen oder sogar vollständig zu streichen. Dies kann im Einzelfall erhebliche Folgen für den Kontoinhaber haben: Wegen der oft kurzen Kündigungsfristen der Banken treten schnell Liquiditätsprobleme auf, weil vor allem Fixkosten wie Gehälter, Lohnzusatzkosten und Mieten mithilfe des Kontokorrentkredites vorfinanziert werden. In der Vergangenheit wurden Kündigungen von Kontokorrentkrediten fast nie ausgesprochen – auch, weil die Banken hohe Zinsen abschöpfen konnten (neben den ohnehin saftigen Kreditzinsen von bis zu 13 Prozent müssen auch Überziehungszinsen von bis zu sechs Prozent gezahlt werden). Angeblich höhere Kreditrisiken wurden deshalb in Kauf genommen. Heute wird dagegen offenbar konsequent versucht, Risiken, die bei jedem Kredit bestehen, nahezu vollständig zu vermeiden.
Die rechtlichen Grundlagen solcher Kreditkündigungen stehen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Banken, die von Kontoinhabern mit der Unterschrift auf dem Kontoeröffnungsantrag akzeptiert werden: Punkt 19 („Kündigung unbefristeter Kredite“) der AGB legt zum Beispiel fest, dass Kredite von der Bank ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden können. Kontokorrentkredite werden grundsätzlich unbefristet gewährt, sodass bei dieser Kreditform das Risiko einer überraschenden Kündigung durch die Bank relativ groß ist. Ohne Rechte ist der Kunde bei einer Kündigung allerdings nicht. Die Bank muss auf die „berechtigten Belange“ ihres Kunden Rücksicht nehmen.
Folgende Checkliste hilft beim Umgang mit einer Kreditkündigung:
- Der Kontoinhaber sollte sich ein Exemplar der Banken-AGB aushändigen lassen und die Kreditregelungen genau studieren.
- Wenn es Ärger mit der Hausbank gibt, kann ein zusätzlich bei einer zweiten Bank eingerichteter Kontokorrentkredit hilfreich sein.
- Etwa zweimal jährlich sollte ein Kreditgespräch über die aktuelle Kreditsituation mit der Hausbank geführt werden. Dabei sollte gegebenenfalls der Steuerberater anwesend sein. So können mögliche Irritationen frühzeitig erkannt werden.
- Bei einer Kündigung eines Kontokorrentkredites sollte der Arzt auf einer detaillierten schriftlichen Darstellung der Kündigungsgründe bestehen. Häufig reichen diese Gründe zu einer ordnungsgemäßen Kündigung nicht aus, sodass man auf diesem Weg zumindest Zeit gewinnt.
- Wer sich ungerecht behandelt fühlt, sollte nicht zögern, einen Rechtsanwalt einzuschalten, um seine Rechte zu wahren. Möglicherweise ist es auch sinnvoll, das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAK) als Kontrollbehörde der Bankinstitute zu informieren. Das BAK kann die jeweilige Bank zu einer Stellungnahme auffordern.
Um einen Eindruck zu bekommen, wie viele Ärztinnen und Ärzte bereits von der restriktiveren Kreditpolitik der Banken betroffen sind, bittet die Redaktion um Zuschriften. Bitte schicken Sie Ihre Erfahrungsberichte an die Redaktion Deutsches Ärzteblatt, Stichwort „Kredit“, Postfach 40 02 43, 50 832 Köln oder per E-Mail an: kredit@aerzte blatt.de. Michael Vetter
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema