ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2002zu Steuerplänen: Flieht das Kapital?

VARIA: Schlusspunkt

zu Steuerplänen: Flieht das Kapital?

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Hans Eichel, der Herr der Löcher, kann für sich selbst angedachte Nebentätigkeiten sowohl als Märchenonkel wie auch als rettender Prinz getrost abhaken, mangels Effizienz. Seine neuesten Pläne zur Besteuerung von Kursgewinnen wurden vom Markt bis jetzt bestenfalls mit Schulterzucken zur Kenntnis genommen.
Der Deutsche Aktienindex DAX tendierte nach Bekanntgabe der rot-grünen Ideen zur Schröpfung der Anleger jedenfalls nur leicht schwächer, obwohl böse Zungen vor einer möglichen massiven Steuerflucht warnten, Stichwort Kontrollmitteilungen an die Finanzämter gegen böse Schwarzgeldbuben.
Dass die Börse als Reaktion auf die Steuernews nicht so richtig abschmierte, wird vom Bundesfinanzminister indes bereits als Erfolg gefeiert. Dabei übersieht der Bundeshans geflissentlich, dass der Taktstock für das Wohl und Wehe des Deutschen Aktienmarktes derzeit eher von New York aus geschwungen wird. Die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen deutscher Gesellschaften jedenfalls waren bisher nicht in der Lage, den DAX nach oben zu hieven, allerdings zogen sie den Index auch nicht nach unten.
Dabei stehen die Zeichen für höhere Kurse durchaus gar nicht so schlecht. Immerhin dürften die meisten DAX-Gesellschaften nächstes Jahr steigende Gewinne erwirtschaften, und die Zinslandschaft bleibt anhaltend günstig. Vor allem sind die Pläne zur Besteuerung, sollen sie denn wie angekündigt kommen, durchaus nicht so übel, vor allem verglichen mit den Horrorplänen zuvor, da sollten ja alle Kursgewinne mit dem persönlichen Satz versteuert werden, und das übelverstärkend auch noch zurückwirkend.
Für steuerehrliche Aktiensparer sind „nur“ 7,5 Prozent Kursgewinnversteuerung jedenfalls fast schon ein Geschenk. Noch besser: Nach der alten Regelung waren Verluste, die nach mehr als 12 Monaten erlitten wurden, „wertlos“. Jetzt aber könnte man diese vor sich herschieben und bei günstiger Gelegenheit mit Gewinnen verrechnen.
Aber Vorsicht. Bei jedem Kasperletheater gibt es urplötzlich Überraschungen. Mal kommt wieder einer aus der Versenkung, der einem mit dem Knüppel (Fondsbesteuerung!) auf den Kopf haut, dann auch wieder verbales Zuckerbrot reicht. Die Aufführung ist erst dann zu Ende, wenn der Vorhang fällt. Erst wenn das alles im Bundesgesetzblatt steht, ist es wahr.
Davor nur Märchen, Traum, Albtraum, je nachdem.
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