ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2002Gewalt im Alter: Bedarf an Beratung steigt

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Gewalt im Alter: Bedarf an Beratung steigt

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Missstände in der stationären Pflege resultieren oft aus Zeitnot und Mangel an Fachpersonal. Foto: epd
Missstände in der stationären Pflege resultieren oft aus Zeitnot und Mangel an Fachpersonal. Foto: epd
Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter feiert fünfjähriges Bestehen.
Nach fünf Jahren aktiver Beratungstätigkeit zieht der Verein „Handeln statt Mißhandeln (HsM) – Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter“ ein positives Resümee. „Gewalt wird endlich Thema“, so der HsM-Vorsitzende Dr. Dr. Rolf D. Hirsch. Seit 1997 trägt der Verein durch telefonische Krisenberatung, persönliche Gespräche in der Beratungsstelle, Hausbesuche und Vermittlung weiterführender Hilfen zur Verringerung von Schwellenängsten bei den Opfern von Gewalt bei. 2001 gingen 4 598 Anrufe bei dem Verein ein. Hirsch zufolge handelte es sich in 1 194 Fällen um Notrufe und in 3 404 Fällen um weitere Fragestellungen. Persönliche Beratungen fanden in 233 Fällen statt.
Als Haupttrend bezeichnete Hirsch die Zunahme der Anrufe aus dem häuslichen und stationären Pflegebereich. Grund für die Missstände in größeren Pflegeanstalten seien schlechte Arbeitsbedingungen und Personalmangel. Darüber hinaus sei auch die Anzahl gewaltpräventiver Notrufe im Bereich der rechtlichen Betreuung gestiegen. Die Bereitschaft, Vorsorge in Form von Vorsorgevollmachten, Betreuungs- und Patientenverfügungen zu treffen, habe allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres zu einer Verdopplung der Gesamtzahl gewaltpräventiver Notrufe geführt. Gleich geblieben ist nach Angaben des HsM-Vorsitzenden der Beratungsbedarf der Betroffenen selbst. Bei den geschilderten Formen der Gewalt habe es sich meist um seelische Misshandlung, Vernachlässigung oder Freiheitseinschränkung gehandelt, wobei oft auch mehrere Gewaltformen gleichzeitig angewendet wurden, so Hirsch. Orte der Gewaltanwendung seien in den meisten Fällen die eigene Wohnung oder das Altenheim gewesen.
Zu den künftigen Aktivitäten von HsM gehört eine Aktion mit Ärzten. „Bei Verdacht auf körperlichen Missbrauch an ihren Patienten müssen die Ärzte in Zukunft deutlicher werden“, forderte Hirsch. Ein Leitfaden für Ärzte müsse erstellt werden, der konkrete Hilfestellungen enthalte. Weitere Informationen unter www.hsm-bonn.de.
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