ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2002Väter: Zeugt von wenig Kenntnis
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LNSLNS Erfreut habe ich gelesen, dass im Ärzteblatt die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes und für die Psychotherapie einmal in den Blick genommen wurde.
Sicherlich kann man in einem kurzen Interview nur sehr oberflächlich die komplexen Zusammenhänge zwischen mütterlichen und väterli-
chem Beitrag bei der Subjekt-
entwicklung darstellen.
Dennoch muss ich kritisch anmerken, dass die „Vaterfor-
scherin“ Frau Seiffge-Krenke doch erstaunlich wenig Kenntnis über die wissenschaftlichen Forschungen zeigt. Weder ist sie mit der intensiven Diskussion der Psychoanalyse über die Bedeutung des Dritten in Entwicklung und Psychotherapie vertraut, noch hat sie die Schriften Freuds, der die Bedeutung des Vaters immerhin ins Zentrum seiner gesamten Theorie gestellt hat, erkannt. Leider nimmt Frau Seiffge-Krenke auch keinerlei Bezug auf die zahlreichen aktuellen entwicklungspsychologischen Forschungsprojekte über die Bedeutung des Vaters und der Triangulierung (zum Beispiel Prof. Dr. med. D. Bürgin, Basel; Dr. phil. H.G. Metzger, Frankfurt; Prof. Dr. med. K. v. Klitzing, Basel; Prof. Dr. phil. A. Honneth, Frankfurt, meine eigenen Arbeiten). Schade!
Es wäre zu wünschen, das Interview als einen Anfang für eine ausführlichere Darstellung der wissenschaftlichen Diskussion im Ärzteblatt zu nutzen. Denn tatsächlich ist die Einbeziehung des Vaterbildes als notwendige Ergänzung zur lange betriebenen Fokussierung in der Psychoanalyse auf die frühe Mutter-Kind-Beziehung von großer Wichtigkeit für den psychotherapeutischen Prozess sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen.
Dr. Frank Dammasch, Bergerstraße 16, 60316 Frankfurt am Main
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