ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2002Bekanntmachungen: Änderungen der Richtlinien zur Organtransplantation gemäß § 16 TPG

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Bekanntmachungen: Änderungen der Richtlinien zur Organtransplantation gemäß § 16 TPG

PP 1, Ausgabe Dezember 2002, Seite 572

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LNSLNS Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer hat am 18. 10. 2002 auf Empfehlung der Ständigen Kommission Organtransplantation folgende Änderungen der Richtlinien zur Organtransplantation gemäß
§ 16 TPG beschlossen:

I. In den Richtlinien für die Warteliste zur Lebertransplantation in der Fassung vom 18. 2. 2000 (Deutsches Ärzteblatt Jg. 97: A 398–399 [Heft 7]), zuletzt geändert durch die Erste Fortschreibung vom 10. 9. 2001 (www.baek.de/30/Richtlinien/Richtidx/Organ/10Organtrans/20WarteLeber.html), wird im Kapitel „Einschränkung der Indikationen“ der siebte Absatz gestrichen und stattdessen folgender Text eingefügt:
„Patienten in fortgeschrittenen Stadien sollen nur im Rahmen von kontrollierten Studien (zum Beispiel zur Prüfung adjuvanter Therapiemaßnahmen), die der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundes­ärzte­kammer vorher anzuzeigen sind, transplantiert werden.
Wenn es unter der erweiterten Indikation zu einem akuten Transplantatversagen kommt, kann eine Retransplantation gegebenenfalls als ,High-Urgency‘-Anmeldung durchgeführt werden.
Wenn bei einer erweiterten Indikationsstellung eine Lebendorganspende geplant ist, muss der Organspender in besonderem Maße über die Erfolgsaussicht beim Empfänger aufgeklärt werden.
Voraussetzung für die Durchführung der Leberlebendtransplantation ist die Registrierung des Patienten auf der Warteliste bei Eurotransplant vor der Lebendspende.
Auch wenn es nach einer Leberlebendspende zu einem akuten Transplantatversagen kommt, ist die Möglichkeit einer ,High-Urgency‘-Anmeldung bei Eurotransplant gegeben.“

II. In den Richtlinien für die Warteliste zur Nieren- und zur (Nieren-)Pankreastransplantation in der Fassung vom 18. 2. 2000 (Deutsches Ärzteblatt Jg. 97:
A 397–398 [Heft 7]), zuletzt geändert durch Bekanntmachung vom 12. 4. 2002 (Deutsches Ärzteblatt Jg. 99: A 1046 [Heft 15]), wird im Kapitel „(Nieren-)Pankreastransplantation“ nach dem zweiten Absatz folgender dritter Absatz eingefügt:
„Entsprechendes gilt für die Pankreas-Insel-Transplantation. Die Patienten müssen auf die international bekannten und im Zentrum erreichten Ergebnisse der Pankreas-Organtransplantation und der Pankreas-Insel-Transplantation im Vergleich hingewiesen werden.“

III. In den Richtlinien für die Organvermittlung zur Pankreastransplantation in der Fassung vom 18. 2. 2000 (Deutsches Ärzteblatt Jg. 97: A 410–411 [Heft 7]), zuletzt geändert durch Bekanntmachung vom 12. 4. 2002 (Deutsches Ärzteblatt Jg. 99: A 1046 [Heft 15]), wird nach Kapitel „1. Kriterien für die Allokation von Pankreas“ das neue Kapitel „2. Pankreas-Insel-Transplantation“ mit folgendem Text eingefügt:

„2. Pankreas-Insel-Transplantation
2.1. Steht ein Pankreas nach Abschnitt 1.2. zur Pankreas-Insel-Transplantation zur Verfügung, gelten die gleichen Blutgruppenkompatibilitätsregeln wie für die Allokation von Pankreata.
2.2. Die Pankreas-Insel-Transplantation ist ein technisch etabliertes Verfahren, das wissenschaftlich kontrolliert klinisch eingesetzt wird. Zum Erreichen der Freiheit von Insulintherapie und Nachweis von C-Peptid mehr als 1 ng/ml ist es häufig notwendig, Inseln von Pankreata mehrerer Spender zu verwenden. Die Pankreasinseln sind besonders ischämiekritisch; nach dem Isolierungsprozess von
6 Stunden sollte die Transplantation innerhalb weiterer 2 Stunden durchgeführt werden. Die Organempfänger werden nach den oben genannten Kriterien 1.4. mit einer Wartezeit von 60 %-Gewichtung und einer Konservierungszeit von 40 % ausgewählt. Die Indikation für eine erneute Transplantation ergibt sich, wenn das C-Peptid kleiner als 1 ng/ml bleibt oder keine Insulinunabhängigkeit innerhalb 2 bis 3 Monaten erreicht wird. Patienten, die eine weitere Inselübertragung benötigen, erhalten eine bevorzugte Zuteilung. Die nach §§ 9 und 10 TPG zur Insel-Transplantation zugelassenen Transplantationszentren müssen auch den Verbleib der Inseln dokumentieren, die aus Gründen der Organqualität nicht zur Transplantation verwendet werden konnten. Dies gilt insbesondere auch für die Pankreata, die im Vorfeld der Insel-Transplantation zu notwendigen Untersuchungen der Inseln auf Funktionsfähigkeit und Vitalität verwendet werden.
2.3. Auch in Entwicklung befindliche Transplantationsprogramme müssen unter Angabe der Ziele und des Entwicklungsstandes jährlich eine lückenlose Dokumentation über Herkunft und Verbleib der verwendeten Pankreata erstellen. Eine Verwendung zu Forschungszwecken ist nur dann zulässig, wenn eine eindeutige Einwilligung nach §§ 3 und 4 TPG dafür vorliegt.
2.4. Da die Pankreas-Insel-Gewinnung und -Transplantation ein in Entwicklung befindliches Verfahren ist, ist auf eine sorgfältige Qualitätssicherung zu achten. Eine Überprüfung der Richtlinien ist in jährlichem Abstand vorgesehen.“
Die bisherigen Kapitel 2 und 3 der Richtlinien werden ohne sonstige Textänderung als Kapitel 3 und 4 geführt.

Die genannten Änderungen der Richtlinien sind auch im Internet unter www.baek.de/30/Richtlinien/Richtidx/Organ/10Organtrans/index.html verfügbar.

Korrespondenzadresse:
Bundes­ärzte­kammer
Ständige Kommission Organtransplantation
– Geschäftsführung –
Herbert-Lewin-Straße 1, 50931 Köln
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