ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2002Techniker Krankenkasse: Ausgebremst

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Techniker Krankenkasse: Ausgebremst

Dtsch Arztebl 2002; 99(50): A-3365 / B-2833 / C-2637

Flintrop, Jens

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LNSLNS Als erste gesetzliche Krankenkasse will die Techniker Krankenkasse (TK) ab 2003 einen Selbstbehalt-Tarif einführen. Versicherte, die sich für das Angebot entscheiden, bekommen zu Jahresbeginn 240 Euro überwiesen. Damit verpflichten sie sich, die ersten 300 Euro für ärztliche Behandlungen selbst zu bezahlen. Dabei wird jeder Arztbesuch pauschal mit 20 Euro berechnet. Wer jeden Monat einmal zum Arzt geht, braucht den Bonus also genau auf. Vorsorgeuntersuchungen, der jährliche Zahnarztcheck und die Behandlung von mitversicherten Kindern werden nicht mitgezählt. Ein Ziel ist es, freiwillig Versicherte von einem Wechsel in die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) abzuhalten. Die TK hat mit 38 Prozent einen sehr hohen Anteil an freiwillig Versicherten. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt lehnt den Bonus-Tarif ab. Dieser verstoße gegen das Solidarprinzip in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und sei nur ein „Lockvogel-Angebot“ für Junge und Gesunde. Das stimmt nicht so ganz.
Zwar ist es richtig, dass nur gesunde TK-Mitglieder den Bonus von bis zu 240 Euro im Jahr einstreichen können. Aber ist es solidarischer, wenn der gesunde Versicherte – der zumeist relativ jung ist und gut verdient – stattdessen in die PKV wechselt? Auch wenn sich sein jährlicher Krankenkassenbeitrag um maximal 240 Euro reduziert (was nur selten vorkommen dürfte), zahlt er mit großer Wahrscheinlichkeit immer noch deutlich mehr ein, als seine medizinische Versorgung kostet. Eine Abwanderung in die PKV käme der GKV deutlich teurer.
Ulla Schmidt hat bereits angekündigt, den Bonus-Tarif trotz großer Nachfrage stoppen zu wollen. Damit würde sie einmal mehr belegen, dass sie zwar gerne mehr Wettbewerb für das Gesundheitswesen einfordert, ihn aber eigentlich nicht will. Die Abwanderung freiwillig Versicherter mithilfe eines Selbstbehalts zu reduzieren ist zumindest einen Versuch wert. Sollte sich der Tarif als teurer Flop und reines Marketing erweisen, müsste die TK ihre Beiträge erhöhen. Dies dürfte Mitgliederverluste bewirken. Und das wäre dann Wettbewerb.
Jens Flintrop
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