ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2002Molekularbiologie: Gencode der Maus ist aufgeklärt

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Molekularbiologie: Gencode der Maus ist aufgeklärt

Dtsch Arztebl 2002; 99(50): A-3369 / B-2837 / C-2641

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Forscher des öffentlich finanzierten Mouse Genome Sequencing Consortium (MGSC) haben in der aktuellen Ausgabe von „Nature“ vom 5. Dezember 2002 eine fast komplette Arbeitsversion des Mausgenoms vorgelegt. Die Daten wurden kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt. Nach dem Menschen ist die Maus nun der zweite Säuger, dessen Erbgut entziffert ist. Bereits im April 2001 hatte die private US-Firma Celera Genomics eine vorläufige Version des Mausgenoms fertig gestellt, das Aufrufen dieser Daten im Internet ist jedoch kostenpflichtig. Mit rund 2,5 Milliarden Genbausteinen ist das Mausgenom 14 Prozent kleiner als das des Menschen (2,9 Milliarden Bausteine). Trotzdem haben beide nach den jüngsten Schätzungen eine fast identische Zahl von etwa 30 000 Genen. Überraschend ist jedoch, dass es für 99 Prozent der Mausgene eine entsprechende Sequenz im menschlichen Genom gibt. Die Forscher entdeckten 9 000 zuvor unbekannte Erbanlagen der Maus, zudem stießen sie beim Genom-Vergleich auf 1 200 neue humane Gene.

Der Reiz des Mausgenoms für die Wissenschaft liegt in der großen Ähnlichkeit zum Humangenom. Damit eröffnet sich Wissenschaftlern die Möglichkeit, Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson in bislang ungekannter Präzision an dem Nagetier zu erforschen. Sechs weitere in „Nature“ veröffentlichte Arbeiten befassen sich daher mit Aspekten des Mausgenoms und Bezügen zum Menschen. So untersuchten gleich drei Teams jene Nager-Merkmale, die den Genen auf dem menschlichen Chromosom 21 entsprechen – Menschen, die eine dritte Kopie davon besitzen, sind am Down-Syndrom erkrankt.

Die Maus“, so schreiben die MGSC-Autoren, „liefert uns eine einzigartige Lupe, durch die wir uns selbst betrachten können.“ „Erst durch die vollständigen Gendaten der Maus lässt sich das Potenzial des menschlichen Genoms wirklich erschließen“, kommentiert Helmut Blöcker, Mitglied des wissenschaftlichen Steuerungskomitees des Deutschen Humangenomprojektes, die Ergebnisse. Nach seinen Schätzungen wird es aber noch anderthalb bis zwei Jahre dauern, bis das Mausgenom vollständig publiziert ist. zyl
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