ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2002Patientenrechte: AOK will Ärzte-Ranking

POLITIK

Patientenrechte: AOK will Ärzte-Ranking

Dtsch Arztebl 2002; 99(50): A-3382 / B-2848 / C-2650

Lenze, Susanne

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LNSLNS Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung kündigte eine neue überarbeitete Patientencharta an.

Die AOK will die Patientenrechte verbessern und dieses Anliegen 2003 zu einem Schwerpunktthema machen. „Zu wenige Patienten kennen ihre Rechte oder wissen nicht, wie sie sie beim Arzt, im Krankenhaus oder im Pflegeheim durchsetzen können“, sagte Peter Kirch, Verwaltungsratsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, bei einer Veranstaltung der AOK zum Thema Patientensouveränität in Berlin.
Patienten benötigten bessere Informationen über Leistungsangebote. Die AOK wolle deshalb als „Navigator“ fungieren. Der Erkrankte solle nicht nur Informationen über die Leistungen der Kasse erhalten, sondern beispielsweise auch über individuelle Gesundheitsleistungen in den einzelnen Arztpraxen aufgeklärt werden. „Wir wollen den Patienten ein Ranking anbieten, damit er die Frage beantwortet bekommt, wo er mit seiner Krankheit am besten aufgehoben ist“, sagte Kirch.
Dr. jur. Hans Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, forderte die Entwicklung einer „wirklichen“ Patientencharta. Das Dokument „Patientenrechte in Deutschland“, an dem die AOK federführend für die gesetzlichen Krankenkassen mitgearbeitet habe, sei ein richtiger Schritt in diese Richtung. Die AOK, so Ahrens, wolle ihre Versicherten zuverlässig über die Qualität von Ärzten und Krankenhäusern informieren. „Was Focus kann, sollten wir auch können“, ergänzte Kirch in Anspielung auf die von Focus vor zwei Jahren publizierten Ärztelisten. Bei den anstehenden Reformen müsse den Krankenkassen endlich das Recht zu derartigen bewertenden Listen eingeräumt werden. Eine Patientencharta, die bereits Ende der vergangenen Legislaturperiode zwischen Bundesjustiz- und -gesundheitsministerium abgestimmt worden war, soll jetzt überarbeitet und ins Sozialgesetzbuch V aufgenommen werden. Hiermit sollen Voraussetzungen geschaffen werden, dass ab Januar 2003 ein Patientenbeauftragter mit der Arbeit beginnen kann. Darauf wies Karl Hermann Haack (SPD), Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, bei der Veranstaltung hin. Der Patientenbeauftragte müsse das Recht haben, unabhängige Informationen über die Qualität der medizinischen Versorgung einzuholen, betonte er. Als Beispiel für eine funktionierende Patientenberatung nannte Haack die in Kärnten. Dort gibt es seit 1990 Patientenanwälte. Nach Angaben von Patientenanwalt Dr. med. Erwin Kalbhenn beschäftigen sich er und seine Mitarbeiter mit etwa 570 Fällen jährlich.
Sprachrohr der Patienten
„Die häufigsten Anfragen sind medizinische oder organisatorische Fachfragen“, sagte Kalbhenn. Ursachen der Vorsprachen seien zu 70 Prozent Kommunikationsprobleme zwischen Arzt und Patient im Krankenhaus sowie Versicherungsfragen. Häufig begleite der Patientenanwalt den Betroffenen bei Verfahren vor der Schlichtungsstelle. Der Patientenanwalt sieht sich als „Sprachrohr für Patienten“ und als Unterstützung bei außergerichtlichen Regulierungen von Behandlungsschäden. Der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. rer. soc. Bernhard Badura von der Universität Bielefeld bedauerte bei der Veranstaltung, dass sich trotz der jahrelangen Diskussionen über Finanzierung und Steuerung des Gesundheitswesens bisher keine unabhängige Interessenvertretung der Versicherten herausgebildet habe. Susanne Lenze
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