ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2002Neuroleptika: Nicht zeitgemäß
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LNSLNS Glücklicherweise gibt es einen medizinischen Fortschritt für unsere Patienten, neue Indikationen bzw. Substanzen sind hinzugekommen. Bei den verfügbaren neuen Neuroleptika muss Ziprasidon (Zeldox) ergänzt werden, welches auch als i. m. Applikation verfügbar ist. Olanzapin (Zyprexa) ist für die mäßig schwere bis schwere Manie zugelassen. Des Weiteren ist eine Depotformulierung des Risperidons (Risperdal Consta) erhältlich.
Den Empfehlungen, dass erregte, akut erkrankte Patienten eher mit klassischen Neuroleptika zu behandeln seien und bei einer kurzfristigen erforderlichen Therapie eher alte Neuroleptika zu wählen seien, kann nicht gefolgt werden. Wenn die Verfasser jemals einen Patienten mit einer Schizophrenie, der Erfahrung mit klassischen und neuen atypischen Neuroleptika sammeln musste, gefragt hätten, wie es sich damit anfühlt, wüssten diese, warum. Umfragen zufolge würden über 70 % der Ärzte ihren Angehörigen neuere Neuroleptika verschreiben, sie tun es bei ihren Patienten in etwas über 30 %. Diese Haltung, die sich in den angesprochenen Therapierichtlinien wiederfindet und die die Fortschritte der modernen Psychopharmakotherapie nicht ausreichend würdigt, sondern aus Kostengründen bei Patienten mit geringer Lobby versucht, den Einsatz alter Medikamente möglichst festzuschreiben, ist nicht zeitgemäß. Unsere Patienten haben ein Recht darauf, eine sehr gut wirksame, gut verträgliche und ohne entstellende Spätfolgen versehene Medikation zu erhalten, dies sollten sie auch einfordern.
Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Kropp, Klinische Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover, 30623 Hannover
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