ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1996Haus- und fachärztliche Versorgung: Die meisten Internisten sind nun Hausärzte

POLITIK: Aktuell

Haus- und fachärztliche Versorgung: Die meisten Internisten sind nun Hausärzte

Krimmel, Lothar; Möllmann, Sabine

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LNSLNS Bis zum 31. März 1996 mußten sich Internisten und Kinderärzte ohne Schwerpunktbezeichnung für den hausärztlichen oder fachärztlichen Versorgungsbereich entscheiden. Die Ergebnisse der Wahlentscheidung werden in dem folgenden Beitrag dargestellt.


Das in der gesundheitspolitischen Diskussion präferierte Verhältnis der Hausärzte zu den Fachärzten von 60 : 40 ist nicht ganz erreicht worden. Bei insgesamt 108 160 Kassenärzten (Stand: 30. Juni 1996) haben sich – bundesweit betrachtet – 55,3 Prozent als Allgemeinärzte/Praktische Ärzte oder hausärztich tätige Internisten für die hausärztliche Versorgung entschieden. Dieser Verteilung auf Bundesebene steht jedoch ein regional teilweise erheblich abweichender Anteil der Hausärzte an der Gesamtzahl der Kassenärzte gegenüber (Grafik).
Während nämlich der Anteil der hausärztlich tätigen Ärzte etwa in Thüringen 61 Prozent beträgt, entschieden sich in Hamburg lediglich 45,9 Prozent der Ärzte für die hausärztliche Versorgung. Die Grafik zeigt überdies eine ungewöhnliche Verteilung der regionalen Hausarztanteile um den Bundesdurchschnitt. Lediglich sechs Kassenärztliche Vereinigungen unterschreiten den Bundesdurchschnitt von 55,3 Prozent, während 17 Kassenärztliche Vereinigungen darüber liegen. Das in der Gesundheitspolitik angestrebte Verhältnis von 60 Prozent Hausärzten zu 40 Prozent Fachärzten wird allerdings im wesentlichen nur von den Kassenärztlichen Vereinigungen der neuen Bundesländer erreicht. In den alten Bundesländern liegen nur die Kassenärztlichen Vereinigungen Koblenz und Trier in diesem Bereich.
Die Stadt-KVen Berlin (47,7 Prozent), Bremen (46,0 Prozent) und Hamburg (45,9 Prozent) weisen demgegenüber die geringste Hausarztdichte auf. In einigen Kassenärztlichen Vereinigungen scheint auch eine systematische Komponente für den geringen Hausarztanteil verantwortlich zu sein. Die Vermutung liegt nahe, daß insbesondere bei zahlreichen Internisten ohne Schwerpunktbezeichnung Unklarheit darüber bestand, daß sie zum 31. März 1996 automatisch dem fachärztlichen Versorgungsbereich zugeordnet werden, wenn sie sich nicht aktiv für die hausärztliche Versorgung entschieden haben. Dies kann im Einzelfall mit erheblichen Vergütungsnachteilen verbunden sein – dann nämlich, wenn Internisten, die keine Wahlentscheidung getroffen haben und deshalb jetzt zum fachärztlichen Versorgungsbereich zählen, eine überwiegend hausärztliche Tätigkeit ausüben. Sie erhalten in diesem Fall nicht die hausärztliche Grundvergütung und können darüber hinaus auch bestimmte hausärztliche Leistungen nicht abrechnen. Allerdings besteht für diese Ärzte die Möglichkeit, sich umzuorientieren und doch noch den hausärztlichen Versorgungsbereich zu wählen. Aus der Tabelle ist zu entnehmen, daß Kinderärzte nur in ganz geringem Ausmaß den fachärztlichen Versorgungsbereich gewählt haben. Demgegenüber zeigt sich bei den Internisten eine beträchtliche Streuung. Bei einem Bundesdurchschnitt von 74,5 Prozent wählten in Bremen lediglich 62,9 Prozent der Internisten den hausärztlichen Versorgungsbereich, während dies im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Koblenz immerhin 84 Prozent waren.
Allgemeinärzte und Praktische Ärzte wurden bereits per Gesetz der hausärztlichen Versorgung zugewiesen. Es stand ihnen insoweit kein Wahlrecht zu. Allerdings haben bundesweit zirka 260 Allgemeinärzte und Praktische Ärzte von der gesetzlichen Ausnahmemöglichkeit Gebrauch gemacht, aufgrund einer spezifischen Praxisausrichtung (zum Beispiel Psychotherapie) auf Antrag ausschließlich an der fachärztlichen Versorgung teilzunehmen. Mit diesen Ergebnissen liegt erstmals ein regional differenzierter Überblick über die zahlenmäßige Aufteilung der Kassenärzte in Haus- und Fachärzte vor. Es wird nunmehr zu beobachten sein, wie sich dieses Verhältnis angesichts offensichtlich permanent sich ändernder gesetzlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in Zukunft entwickeln wird.
Dipl.-Volksw. Sabine Möllmann
Dr. med. Lothar Krimmel
KBV, Herbert-Lewin-Straße 3, 50931 Köln

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