ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2002Lipidtherapie mit Ezetimib: Cholesterin-Resorption wird selektiv gehemmt

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Lipidtherapie mit Ezetimib: Cholesterin-Resorption wird selektiv gehemmt

Dtsch Arztebl 2002; 99(50): A-3427

Volkert, Ramona

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LNSLNS Obwohl der Nutzen der Cholesterinsenkung in großen klinischen Studien eindeutig bewiesen ist, werden hierzulande immer noch zu wenige Patienten behandelt, und noch weniger erreichen den angestrebten LDL-Zielwert. Die Kombination eines Statins mit Ezetimib (Ezetrol®), dem ersten Cholesterin-Resorptionshemmer, könnte die Situation verbessern. Denn beide Substanzen haben einen komplementären Wirkmechanismus, der den therapeutischen Effekt verstärkt.
Während Ezetimib selektiv die Aufnahme des Cholesterins aus dem Dünndarm hemmt, inhibieren Statine die endogene Cholesterinbiosynthese in der Leber. Unter der Kombination kommt es deshalb zu einem stärkeren Abfall des LDL-Cholesterins als unter der Statin-Monotherapie. „Ezetimib in Kombination mit einem Statin senkt das LDL-Cholesterin zusätzlich um bis zu 18 Prozent“, erklärte Prof. Wilhelm Krone (Köln).
Der Cholesterin-Resorptionshemmer kann grundsätzlich mit jedem Statin kombiniert werden. 10 mg Ezetimib plus die übliche Statin-Initialdosis senken dabei das LDL-Cholesterin genauso stark wie die höchste zugelassene Statin-Dosis. Damit ist zum Beispiel die Kombination von 10 mg Simvastatin plus 10 mg Ezetimib so wirksam wie die Statin-Monotherapie mit 80 mg. „Mit der Kombination Statin plus Ezetimib erzielt man in einem Schritt den gleichen Effekt wie mit einer dreimaligen Verdoppelung der Statindosis“, sagte Krone.
Langwierige Statin-Titrationsprozesse werden dadurch unnötig. Der Effekt der Dosiserhöhung ist bei Statinen ohnehin vergleichsweise gering. Bei den Statinen gilt, wie Krone erklärte, die „6er-Regel“. Das bedeutet, dass die Verdoppelung der Statindosis das LDL-Cholesterin jeweils lediglich um weitere sechs Prozent reduziert. „Durch die Kombination mit Ezetimib kann man das Serumcholesterin aber nicht nur rascher senken, sondern auch mehr Patienten erreichen den LDL-Zielwert“, so Krone.
In einer Studie an 769 hypercholesterinämischen Patienten, die ihren LDL-Zielwert unter einer Statin-Monotherapie nach sechs Wochen nicht erreicht hatten,
gelangten unter der Kombination schließlich dreimal so viele ans Ziel wie unter dem Statin allein. Sie waren entweder mit dem Statin plus Ezetimib oder mit dem Statin plus Placebo weiter behandelt worden. Unter der Kombination erreichten 72 Prozent der Patienten den LDL-Zielwert, in der Statin-Placebo-Gruppe waren es lediglich 19 Prozent.
Eine erhöhte Nebenwirkungsrate unter der Kombination ist nicht zu befürchten. Die Nebenwirkungen von Ezetimib allein sind gering (abdominale Schmerzen und Diarrhö werden am häufigsten genannt); und unter der Kombination wurden nicht mehr unerwünschte Wirkungen beobachtet als unter einer Statin-Monotherapie. Möglicherweise ist die Kombination sogar sicherer, da die muskulären Nebenwirkungen von Statinen dosisabhängig sind und durch die zusätzliche Gabe von Ezetimib Statine „eingespart“ werden können.
Das Wirkprofil von Ezetimib wird nicht durch Nahrungsaufnahme beeinflusst; und der Wirkstoff wird nicht über Cytochrom P-450 metabolisiert. Ezetimib könnte als Monotherapeutikum auch eine Alternative für Patienten sein, die die Therapie mit Statinen nicht vertragen.
Dr. med. Ramona Volkert

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