ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2002Schizophrenie: Atypisches Neuroleptikum jetzt in Depotform

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Schizophrenie: Atypisches Neuroleptikum jetzt in Depotform

Dtsch Arztebl 2002; 99(50): A-3426

Vetter, Christine

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LNSLNS Bei der Therapie der Schizophrenie haben atypische Neuroleptika in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, da sie nicht nur die Plus- sondern auch die Minussymptomatik bessern und zugleich weniger Nebenwirkungen haben als herkömmliche Neuroleptika: Sie verursachen weniger Spätdyskinesien. Für Wirkstoffe wie das Risperidon wurde auch belegt, dass sie die Rezidivgefahr und damit auch die Häufigkeit erneuter Hospitalisierungen senken. Bislang waren jedoch nur die klassischen Neuroleptika als Depotpräparate verfügbar.
Diese therapeutische Lükke wird nun geschlossen, denn der Wirkstoff Risperidon ist als erstes atypisches Neuroleptikum auch in Form eines Depot-Präparates als Risperdal Consta® zugelassen worden. Seine Anwendung basiert auf der Microspheres-Technik, wobei der Wirkstoff an ein biologisch abbaubares Copolymer aus Milch- und Glykolsäure gebunden ist. Dieses zerfällt im Organismus, unabhängig von interindividuellen Variablen und setzt dabei den Arzneistoff kontinuierlich aus der Matrix frei.
Die volle Wirksamkeit des neuen Depot-Präparates wird dadurch nach drei Wochen erreicht, wobei in dieser initialen Phase begleitend eine orale Therapie erforderlich ist. Danach sind für den langfristigen Erhalt der klinischen Wirksamkeit intramuskuläre Injektionen im zweiwöchigen Abstand ausreichend. Durch das Umgehen einer täglichen Tabletteneinnahme gewinnt der Patient mehr Abstand zu seiner Erkrankung. Die Effektivität des Depot-Therapeutikums wurde in einer placebokontrollierten Studie bei Patienten mit schizophrener und schizoaffektiver Symptomatik unter Beweis gestellt: Die Injektion von 25 mg Risperdal Consta bewirkte einen signifikanten Rückgang des PNASS (Positive and Negative Syndrom Score) um 6,1 Punkte; bei einer Dosis von 50 mg sank der Score sogar um 8,7 Punkte, während er sich unter Placebo nur um 2,5 Punkte veränderte. Gleichzeitig ergab sich eine gute Verträglichkeit, und zwar analog zum oralen Risperidon. „Unerwartete Nebenwirkungen wurden nicht gesehen, auch die lokale Verträglichkeit im Bereich der Injektionsstelle war gut“, betonte Prof. Hans-Jürgen Möller (München).
Eine Einjahresstudie bestätigt das positive Resultat, wie Prof. Dieter Naber (Hamburg) sagte. In der Studie wurden als stabil eingestufte Patienten mit 25 respektive 50 mg der Risperidon Microspheres behandelt, was eine weitere, signifikante Senkung des PANSS-Gesamtscores um durchschnittlich zehn Punkte zur Folge hatte. Es war ferner eine deutliche Besserung der Lebensqualität über den gesamten Studienverlauf zu registrieren. Auch in der Langzeitstudie wurde nach Aussage von Naber die Depotform von Risperidon gut vertragen, mit Hinweisen auf eine noch bessere Verträglichkeit als bei der oralen Behandlung. Christine Vetter

Pressekonferenz „Risperdal Consta®. Erstes Atypikum in Depotform“ der Janssen-Cilag GmbH in Hamburg
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