ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2002Studie: Die Erbschaftsillusion

VARIA: Wirtschaft

Studie: Die Erbschaftsillusion

Dtsch Arztebl 2002; 99(50): A-3426 / B-2883

Flintrop, Jens

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Eine Welle von Erbschaften rollt in den nächsten Jahren über die Deutschen hinweg: 15 Millionen Haushalte (40 Prozent) werden Immobilien-, Wertpapier- sowie Betriebs- und Gebrauchsvermögen im Wert von zwei Billionen Euro erhalten. Dementsprechend groß ist die Erwartung vieler potenzieller Erben. Nicht wenige haben das Vermögen bereits fest für die eigene Altersvorsorge eingeplant und wähnen sich in Sicherheit. Dass dies eine trügerische Hoffnung ist, zeigt die vom Deutschen Institut für Altersvorsorge GmbH, Köln, in Auftrag gegebene Studie über Erbschaftserwartungen und -verhalten.
Eine Million Erbenhaushalte (sechs Prozent) erhalten nichts oder sogar Schulden. 3,3 Millionen (22 Prozent) sind „Kleinerben“ von Gebrauchsgütern im Wert von bis zu 13 000 Euro. 4,3 Millionen Erbenhaushalte (29 Prozent) können mit bis zu 80 000 Euro rechnen. Dies sind ernüchternde Zahlen für deutlich mehr als die Hälfte aller Erbenhaushalte. Die Interviewergebnisse mit Erblassern, Erben und potenziellen Erben zeigen auch, wie die Beteiligten mit der Situation umgehen. Deutlich sichtbar wird eine unterschiedliche Orientierung der Erbenhaushalte: Während Selbstständige und Freiberufler vor allem die Erhaltung ihrer Erbschaften anstreben, ist bei abhängig Beschäftigten eine stärkere Konsumneigung festzustellen. Trügerische Erbschaftserwartungen führen dazu, dass die private Vermögensbildung zu Zwecken der Altersvorsorge vernachlässigt wird. Dies ist ein Rückschritt auf dem Weg zu einem stärker kapitalgedeckten Alterssicherungssystem. Nach der Rentenillusion, so die Kernaussage dieser Untersuchung, muss die Bevölkerung daher auch über die Gefahren der Erbschaftsillusion aufgeklärt werden. Die Studie kann zum Preis von 10 Euro beim Deutschen Institut für Altersvorsorge bestellt werden: www.dia-vorsorge.de/ publikationen.htm JF
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