ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2002Droge Ecstasy: In Tierversuchen Parkinson ausgelöst

AKTUELL: Akut

Droge Ecstasy: In Tierversuchen Parkinson ausgelöst

Dtsch Arztebl 2002; 99(51-52): A-3437 / B-2893 / C-2693

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Bereits der Konsum mehrerer Ecstasy-Tabletten auf einer einzigen Raver-Party könnte ernsthafte gesundheitliche Hirnschäden hinterlassen, wie neue tierexperimentelle Studien zeigen (Science 2002; 297: 2260–2263). Wissenschaftler sehen in Ecstasy keine harmlose Droge, welche Hochgefühle von Wärme und Empathie vermittelt. Für sie ist ± 3,4-Methylenedioxymethamphetamin (MDMA) ein selektives Serotonin-Neurotoxin, das kurzfristig in hohen Dosierungen zu einem deutlichen Anstieg der Körpertemperaturen (maligne Hyperthermie) führen kann, mit der Folge einer Schädigung von Muskeln, Niere und Herz-KreislaufSystem. Derartige Fälle sind jedoch nur selten beschrieben worden. Auch die möglichen Störungen des serotinergen Systems – MDMA beeinflusst Gemütslage, Aggression, sexuelle Aktivität, Schlaf und Schmerzempfindlichkeit – scheinen nicht sehr stark ausgeprägt zu sein.

Doch MDMA hat auch Auswirkungen auf ein weiteres Transmittersystem, wie die aktuelle Untersuchung ergeben hat. Die Experimente des Neurologen George Ricaurte von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore an Totenkopfäffchen zeigen: Drei Dosen von MDMA, hochgerechnet jeweils der Inhalt einer Ecstasy-Tablette, führten zu einer 60- bis 80-prozentigen Depletion von Dopamin im Striatum. Die Ergebnisse konnten danach bei Pavianen reproduziert werden. Natürlich lassen sich die Ergebnisse von Primaten nicht ohne weiteres auf Menschen übertragen. Laut Aussage von Ricaurte sind die Auswirkungen von MDMA auf das dopaminerge System jedoch beunruhigend.

Ricaurte befürchtet, dass Ecstasy-Konsumenten ein erhöhtes Risiko haben, im späteren Leben an einem Morbus Parkinson zu erkranken. Epidemiologische Hinweise hierauf scheint es jedoch bisher nicht zu geben, obwohl sich MDMA bereits in den 80er-Jahren an amerikanischen Colleges einmal großer Beliebtheit erfreute. Damals, so Ricaurte, seien jedoch geringere Dosierungen eingenommen worden. Während die Studenten vielleicht eine oder zwei Tabletten monatlich einnahmen, würden Raver heute das Mehrfache dieser Menge in einer Nacht konsumieren. Rüdiger Meyer
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