POLITIK

Das Schweizer Modell

Dtsch Arztebl 2002; 99(51-52): A-3440 / B-2896 / C-2696

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LNSLNS Das Alterssicherungs-System der Schweiz wird von drei Säulen gestützt:
- Die Hauptlast des Sicherungssystems trägt die seit 1948 bestehende umlagefinanzierte gesetzliche Alters- und Hinterlassenen-Versicherung (AHV), die 1960 um eine Invaliden-Versicherung (IV) ergänzt wurde. Sie wird im Umlageverfahren durch Beiträge und Steuermittel (etwa 20 Prozent) finanziert und hat einen Anteil von gut 40 Prozent an den Leistungen des Sicherungssystems. Beitragspflichtig sind alle in der Schweiz ansässigen Bürger. Belastet wird das gesamte Erwerbseinkommen der Versicherten, also ohne Begrenzung. Der Beitragssatz summiert sich für abhängig Beschäftigte in der AHV/IV auf 10,1 Prozent. Von Selbstständigen wird ein nach der Höhe des Erwerbseinkommens gestaffelter Beitrag erhoben, der bei niedrigen Einkommen mit einem Satz von 5,1 Prozent beginnt und der von Einkommen ab etwa 35 000 Euro 9,5 Prozent beträgt. Wer nicht erwerbstätig ist, jedoch über Vermögen verfügt, muss bis zu einem Vermögen von etwa 170 000 Euro den Mindestbeitrag von 288 Euro im Jahr zahlen; dieser erhöht sich mit dem Anstieg des Vermögens bis auf knapp 7 000 Euro im Jahr bei Vermögen von 2,6 Millionen Euro und mehr. Das System bietet lediglich eine, vor allem von der Dauer der Versicherung abhängige Sockelrente zwischen 715 und 1 430 Euro. Die Renten für ein Ehepaar werden auf 2 146 Euro begrenzt. Das offizielle Existenzminimum in der Schweiz wird nicht einmal durch die Höchstrente der AHV/IV gedeckt. Niedrige Renten, die sich aus kurzen Versicherungszeiten ergeben, können aus Steuermitteln der Kantone auf die Höhe der Mindestrente von gut 700 Euro aufgestockt werden. Das System der AHV/IV ist auf steigende Zuschüsse aus dem Steueraufkommen angewiesen, die über Mehrwertsteuer aufgebracht werden.
- Als zweite Säule soll die seit 1985 für alle Unternehmen obligatorische Berufliche Vorsorge (BV) die Absicherung der abhängig Beschäftigten auf ein Mindestniveau von etwa 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens anheben. Die Arbeitgeber haben mindestens die Hälfte des Beitrags zu übernehmen, viele Unternehmen zahlen mehr. Die Leistungsverpflichtungen der Versorgungskassen werden durch Kapital gedeckt; die Höhe der BV-Rente richtet sich also jeweils nach dem angesparten Kapital.
- Wegen der begrenzten Leistungen des gesetzlich verfassten Systems besteht ein hoher Anreiz zu einer zusätzlichen privaten Alterssicherung; das gilt vor allem für die Bezieher höherer Erwerbseinkommen. Wie alle anderen Beiträge werden auch die Beiträge im Rahmen der privaten Zusatzversicherung, der Höhe nach begrenzt, von der Steuer freigestellt. Die Möglichkeit der zusätzlichen und steuerlich geförderten privaten Absicherung wird in der Schweiz weithin genutzt.
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