ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2002Screening auf C-reaktives Protein gefordert

POLITIK: Medizinreport

Screening auf C-reaktives Protein gefordert

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Eine aktuelle Auswertung der Women’s Health Study ergibt, dass das C-reaktive Protein (CRP) das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser vorhersagt als der LDL-Cholesterin-Wert. Die Wissenschaftler regen deshalb im New England Journal of Medicine (2002; 347: 1557–1565) an, den Test in die kardialen Vorsorgeuntersuchungen aufzunehmen. Das Team um Paul Ridker vom Brigham and Women’s Hospital in Boston hat in den archivierten Blutproben von 27 939 Teilnehmerinnen der Studie sowohl den LDL-Cholesterinwert als auch das CRP bestimmt. Dann wurde untersucht, inwieweit diese Parameter das Auftreten von Herzinfarkt, ischämischem Schlaganfall, koronarer Revaskularisierung oder kardiovaskulären Todesfällen vorhersagen.
Der LDL-Cholesterinwert erwies sich als der bekannte starke Prädiktor. Werte im obersten Fünftel erhöhten das Ereignisrisiko um 50 Prozent. Doch ein normaler LDL-Cholesterin-Wert schloss eine kardiovaskuläre Erkrankung keinesfalls aus. 77 Prozent aller Ereignisse traten bei Frauen mit einem LDL-Cholesterin-Wert unter 160 mg/dl auf, 46 Prozent noch bei Werten unter 130 mg/dl. Es bestehe deshalb der Bedarf an weiteren kostengünstigen Tests. Als solcher biete sich das CRP an, meint Ridker. Zum einen war das C-reaktive Protein in der Studie dem LDL-Cholesterin überlegen: Ein hoher Wert erhöhte das Risiko um den Faktor 2,3 (statt 1,5 beim LDL-Cholesterin). Frauen mit einem hohen CRP und niedrigem LDL-Cholesterin hatten ein höheres Ereignisrisiko als Patienten mit niedrigem CRP und hohem LDL-Cholesterin. Für Erstere könnte eine Behandlung mit Statinen sinnvoll sein, wie eine Studie der gleichen Gruppe im Jahr 2001 gezeigt hatte (NEJM 2001; 344: 1959–1965).
Da CRP und LDL-Cholesterin komplementär sind (geringe Korrelation beider Werte r = 0,08), könnte das CRP-Screening jene Personen herausfiltern, die durch das „LDL-Cholesterin-Raster“ fallen. In einer Multivarianz-Analyse zeigt die Gruppe, dass das CRP die Zehn-Jahres-Risikoabschätzung nach dem Framingham-Risiko-Score verbessern würde.
Im Editorial bremst Lori Mosca von der Columbia Universität in New York (2002; 347: 1615–1617) die Begeisterung ihrer Kollegen. Es sei noch zu früh, den Test regelmäßig anzuwenden. Begründung: Es gebe keine Untersuchung, die zeige, dass eine CRP-Senkung das kardiovaskuläre Risiko senkt. Laut einem Bericht in den New York Times wollen sich sowohl die American Heart Association als auch die Centers for Disease Control and Prevention beraten, ob sie das C-reaktive Protein in die Richtlinien aufnehmen. Rüdiger Meyer

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