ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2002Wissenschaftliches Publizieren - Umstritten, aber etabliert – der Impact Factor: Schlusswort

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Wissenschaftliches Publizieren - Umstritten, aber etabliert – der Impact Factor: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(51-52): A-3456

Lindner, Udo K.; Oehm, Victor

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LNSLNS Die Resonanz auf unseren Artikel spiegelt die Bedeutung des Themas wider. Die Diskussion trifft auf blank liegende Nerven, denn der Versuch, Wissenschaft zu messen, ist gescheitert. Nicht der Methode ist die Kritik anzulasten, sondern ihrem Missbrauch. Was für die Bewertung von Zeitschriften galt, wurde in kühnem Schwung auf deren Autoren übertragen. Weil viele von diesem Vorgang profitierten, konnte er sich etablieren und schadet heute den Wissenschaftlern wie der Wissenschaft.
In Antwort auf den Brief von Lehrl erscheint uns der Vergleich der Wissenschaftsleistungen Deutschlands im internationalen Kontext als Verfehlung des Themas. Auch sprachen wir nicht von den Kosten der Wissenschaft, die kaum zu ermitteln sind.
Lehrls Ausführungen sind interessant, doch der Rundumschlag seiner Argumente lässt ein klares Ziel vermissen. Der Zusammenhang von Rohstoffarmut und der Situation der Wissenschaft in Deutschland klingt zwar pathetisch national, was aber hat das mit dem Thema zu tun? Hier kochen Emotionen hoch. Nur so ist auch die initiale These des Verfassers zu verstehen, dass unsere kritische Auseinandersetzung mit der Literatur als Beitrag zum „Stillstand der deutschen Forschung im internationalen Vergleich“ zu sehen sei. Das ist leider eine wirre Kette von Überlegungen, denn wir könnten uns auf die Schulter klopfen, hätten wir hierzu einen Beitrag geleistet. Das aber konnten wir leider nicht. Unsere Betrachtung ist lediglich realistisch und bodenständig und alles andere als ein Höhenflug, der die Problematik der Wertmessung und Bewertung deutschsprachiger Publikationen aus der Vogelflugperspektive sieht.
Dem Verfasser der Zuschrift ist Recht zu geben, dass wir in einem Prozess des Rückschritts stehen und dass die Forschung in Deutschland an Boden zu verlieren scheint. Wir sagen „scheint“, denn die Betrachtung über den geheiligten Impact Factor lässt diese Conclusio nicht zu. Schon Eugen Garfield bestätigte dies 1999 in seiner Antwort auf den von uns verfassten Artikel zur Magie des Impact Factors, der erstmals in Der Anaesthesist erschien und dann von zahlreichen Journals aufgegriffen wurde.
Nun liegen den Prozessen Strategien zugrunde, und hinter Strategien stehen Menschen, die dazu neigen, am Bisherigen festzuhalten. Der Impact Factor im deutschsprachigen Raum und gebeutelt durch seinen Missbrauch ist ein fragwürdiges Gut für eine Tradition, die sich bisher durch Fortschritte ausgezeichnet hat. In anderen Zuschriften wird die kritische Frage gestellt, was besser zu machen sei. Den Horizont der Wissenschaft zu beschreiben war nicht Gegenstand unserer Arbeit, denn wir sind dieser Frage in der zentralen Zeitschrift der deutschen Ärzteschaft absichtlich aus dem Weg gegangen. Die klinische Medizin steht nicht allein im Licht wertfreier Forschung, sondern sie muss sich dem Potenzial ihrer Anwendungsmöglichkeiten stellen. Referenz steht dann neben Zitation – aber das mag Inhalt einer zukünftigen Recherche werden.
Dr. Udo K. Lindner, Victor Oehm
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