ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2002DMP: PKV an Qualität besonders interessiert
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LNSLNS . . . Durch die unselige Verquickung mit dem Risikostrukturausgleich sollen gesetzliche Krankenkassen für jeden in DMP eingeschriebenen Diabetiker eine „Kopfprämie“ von ca. 205 Euro erhalten. 130 Euro davon (63 %) sollen in die Kassenverwaltung zur Entwicklung und Durchführung der DMP fließen (Datenannahmestellen, Erinnerungssysteme, Trust-Center). Damit wird aber keine einzige ärztliche Leistung unterstützt. Im Gegenteil: Dieses Geld fehlt in der Folge für die direkte medizinische Versorgung der Diabetiker mittels leitlinien-basierter Diagnostik und Therapie.
Darüber hinaus stützt sich das DMP Diabetes der gesetzlichen Kassen eben gerade nicht auf evidenzbasierte Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Dies ist – nur als ein Beispiel – schon daran erkennbar, dass die Deutsche Diabetes-Gesellschaft die obere Normgrenze für das HbA1C bei 6 % ansiedelt, während bei den vorgesehenen DMP Diabetes ein HbA1C von 8 % verankert werden soll (nachdem zuvor sogar ein HbA1C von 9 % ernstlich diskutiert worden ist).
Nicht nur die gesetzlichen Krankenkassen bieten DMP zu Diabetes an. Es gibt bereits mehrere private Krankenversicherungen, die Disease-
Management-Programme für Diabetiker nicht nur vorbereitet, sondern schon gestartet haben. Die privaten Krankenversicherungen tun sich mit den Qualitätsstandards erheblich leichter als die gesetzlichen Kassen. Dies hat vor allem damit zu tun, dass in diesem Bereich natürlich keine Zahlungen aus einem Pool fließen (wie beim Risikostrukturausgleich). Die privaten Krankenversicherungen zahlen ihre DMP vollständig aus eigener Tasche und sind deshalb natürlich an Qualität besonderes interessiert . . .
Dr. med. Rainer Hakimi, Schickhardtstraße 33, 70199 Stuttgart

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