ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2002Patientenrechte: Anmaßend

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Patientenrechte: Anmaßend

Dtsch Arztebl 2002; 99(51-52): A-3460 / B-2916 / C-2716

Hilgenstock, Astrid; Hilgenstock, Hendrik

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LNSLNS Vor vier Wochen haben wir mit Bestehen des dritten Staatsexamens unser Studium beendet und freuen uns sehr darauf, nun nach einem langen, entbehrungsreichen Studium als Ärztin und Arzt arbeiten zu dürfen.
Allerdings nicht, wie von Herrn Riemer unterstellt, um die Patientenrechte mit Füßen zu treten und an Patienten unser Unwissen auszuprobieren, sondern weil wir sechs Jahre überwiegend theoretisch auf unseren Beruf vorbereitet wurden und dieses Wissen nun im Interesse und zum Wohlergehen der Patienten anwenden möchten. Wir finden es ausgesprochen anmaßend, geradezu unverschämt, die gesamte Ärzteschaft als „arrogante Halbgötter“ hinzustellen und die eigene Zunft als „Robin Hood“ der Patienten darzustellen. Uns sind unter Juristen jedenfalls noch nicht viele „Diener am Mandanten“ begegnet, die nicht darauf bedacht sind, ihre eigenen Interessen zu wahren. Aber darum geht es uns in erster Linie nicht. Wir fragen uns, ob Herr Riemer als Rechtsreferendar (vergleichbar mit unserem Ausbildungsstand nach dem PJ) eigentlich weiß, wovon er spricht. Wir haben ein langes, größtenteils sehr zeit- und arbeitsaufwendiges Studium absolviert und anschließend ein praktisches Jahr. In diesem waren wir nicht wie ein Rechtsreferendar Beamter auf Zeit, sondern haben kostenlos gearbeitet und mussten überdies noch zusehen, wie wir unseren Lebensunterhalt bestreiten. Im Gegensatz zum Beruf des Juristen, der sein Studium allein theoretisch aus Büchern bewältigen kann, ohne jemals einen Mandanten gesehen zu haben, ist der Arztberuf aber ein praktischer Beruf, den man nur anhand und mit der Hilfe von Patienten erlernen kann, um hinterher verantwortungsvoll, das heißt im Sinne des Patienten und zu seinem Wohle, handeln zu können. Dementsprechend haben wir uns natürlich im Studium über die besonders interessanten Fälle gefreut. Aber wir weisen die Anschuldigung vehement zurück, dass unser Studiums- oder Berufsziel der „arrogante Halbgott in Weiß“ war oder ist. Uns stellt sich eher die Frage, ob diese Vorstellung dem Juristen besser in den Kram passt und wie eingehend Herr Riemer bei seinem Samariterfeldzug für die Patientenrechte mit der Realität in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen vertraut ist. Bei uns entsteht eher der Eindruck des Rundumschlages hinter einer Mauer von Büchern und Theorie ohne eine Ahnung von den wirklichen Bedingungen.
Astrid und Hendrik Hilgenstock, Georg-Schmitt-Platz 1, 54292 Trier
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