ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2002Alternativen zur Fußamputation bei diabetischer Podopathie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Alternativen zur Fußamputation bei diabetischer Podopathie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(51-52): A-3479 / B-2934 / C-2734

Chantelau, Ernst

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LNSLNS Die von Herrn Kollegen Prieur angesprochene Nagelspange (Orthonyxie-Spange) zur konservativen Behandlung des einwachsenden Fußnagels hat sich bereits 1873 in den USA Edward W. Stedman patentieren lassen. Sein Patent ist somit nur elf Jahre älter als die in Deutschland beliebte chirurgische Behandlung mittels der Emmert-Plastik, die 1884 erfunden wurde (1, 2).
Beides sind traditionelle Praktiken, die auch heute noch gerne angewendet werden, obwohl sie bislang nie durch kontrollierte Studien gesichert worden sind (3). Vielleicht finden sich im Zeitalter der evidenzbasierten Medizin ein motivierter Wissenschaftler, der sich dieser Fragestellung annimmt. Weitere Therapieverfahren bei der diabetischen Podopathie, die der Absicherung durch kontrollierte Studien harren, sind unter anderem die hyperbare Sauerstoffbehandlung (4), die Madentherapie (5) oder die retrograde intravenöse Injektionstherapie nach Bier; auch sie blieben daher in meinem Artikel unerwähnt.
Die Studienlage zur Behandlung der Nagelpilz-Infektion (Onychomykose) bei Diabetes mellitus ist uneinheitlich. Die lokale Anwendung von Antimykotika ist kaum effektiv (und führt gelegentlich zu Hautreizungen des Nagelwalls). Bei der Anwendung von systemischen Antimykotika wurde in monatelangen, kontrollierten Studien eine günstige Wirkung auf Surrogatparameter beobachtet, beispielsweise auf die Länge pilzfreien Nagelwachstums in Millimetern und den Prozentsatz negativer Pilzkulturen (6). Bezüglich der völligen Ausheilung der Onychomykose (und bleibender Rezidivfreiheit) waren die Ergebnisse bei systemischer Antimykotika-Behandlung allerdings enttäuschend.
Abschließend soll noch einmal betont werden, dass der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen die Aktivität der Podologen bei der Behandlung von Diabetikern ausdrücklich auf das verletzungsfreie Kürzen von Nägeln (mit krankhaften Veränderungen, zum Beispiel mit der Tendenz zum Einwachsen) und auf das Abtragen von Schwielen begrenzt hat. Wundbehandlung jeglicher Art, einschließlich des eingewachsenen Nagels, ist und bleibt Sache des Arztes.

Literatur
1. Emmert C: Zur Operation des eingewachsenen Nagels. Cbl Chr 1884; 39: 641.
2. Haneke E: Segmentale Matrixverschmälerung zur Behandlung des eingewachsenen Zehennagels. Dtsch med Wschr 1984; 109: 1451–1453.
3. Haeger JE: Konservative Behandlung des eingewachsenen Nagels (Unguis incarnatus) bei Patienten mit diabetischer Polyneuropathie. Diab Stoffw 1997; 6: 145–150.
4. Wunderlich RP, Peters EJG, Lavery LA: Systemic hyperbaric oxygen therapy: lower extremity wound healing and the diabetic foot. Diabetes Care 2000; 23: 1551–1555.
5. Rufli T: Biochirurgie – bewährtes Verfahren in der Wundbehandlung. Dtsch Arztebl 2002; 99: A 2038– 2039 [Heft 30].
6. Bräutigam M, Nolting S, Schopf RE, Weidinger G: Randomized double-blind comparison of terbinafine and intraconazole for treatment of toenail tinea infection. Br Med J 1995; 311: 919–922.

Prof. Dr. med. Ernst Chantelau
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Diabetesambulanz MNR-Klinik
Postfach 10 10 07
40001 Düsseldorf

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