ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2002Mensch und Tier: Geliebt, gefürchtet, genutzt

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Mensch und Tier: Geliebt, gefürchtet, genutzt

Dtsch Arztebl 2002; 99(51-52): A-3481 / B-2936 / C-2736

Jachertz, Norbert

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Nahe und doch getrennt Foto: Katalog (Getty Images/J. Balog)
Nahe und doch getrennt Foto: Katalog (Getty Images/J. Balog)
Eine Ausstellung des Hygiene-Museums
in Dresden eröffnet ungewohnte Perspektiven.

Von Anfang an hat der Mensch das Tier genutzt. Mit den Beziehungen zwischen Mensch und Tier beschäftigt sich eine Ausstellung des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden. Die Ausstellungsmacher haben ihrem Projekt mit Recht den Untertitel „Eine paradoxe Beziehung“ gegeben. Sie kennzeichnen so das Widersprüchliche, das die Beziehungen zum Tier seit jeher und heute vielleicht mehr denn je kennzeichnet.
Die geliebte Hauskatze, der Schoßhund stehen auf der einen Seite, auf der anderen Seite das gefürchtete Tier, der Wolf, der Löwe, aber auch die Ratte oder viele andere ungeliebte Haus- und Hofgenossen, dazwischen das Nutztier. Die Assoziation lässt zunächst an Haus- und Schlachttiere wie die Kuh oder das Schwein denken, die noch vor einer oder zwei Generationen eine Art Hausgenossen waren, heute aber kaum noch als Individuen gehalten werden, sondern in anonymen Massen. Nutztier ist aber auch die Labormaus.
Das Tier, das zum Nutzen des Menschen experimentell eingesetzt wird, gewinnt heute zunehmend an Bedeutung, man denke nur an die Fer-
tilitätsforschung oder an Stammzellgewinnung und Züchtung von Zellersatz und Ersatzorganen.
Mensch und Tier sind nicht nur durch „Vernutzung“ miteinander verbunden, sondern auch durch biologische Verwandtschaft. Die Dresdener Ausstellung macht nachdenklich: Wo liegt eigentlich die Grenze? Liegt sie letztlich nur in der Sprachfähigkeit? Und auch da scheint es gleitende Übergänge zu geben.
Das Projektteam unter Leitung von Dr. Jasdan Joerges hat rund 700 Exponate zusammengetragen, 120 Leihgeber sind beteiligt: tierkundliche und ethnologische Museen, anatomische Sammlungen, aber auch Kunstmuseen, denn schließlich hat die Beziehung von Mensch und Tier auch vielfältigen Ausdruck in Plastik und Malerei gefunden.
Das Dresdener Hygiene-Museum hat inzwischen einen guten Ruf, durch Ausstellungen ungewohnte Perspektiven zu eröffnen, indem mutig zwischen den Disziplinen quergedacht wird. Das trifft auch für die am 22. November eröffnete Ausstellung über jene paradoxe Beziehung zu. Sie läuft bis zum 10. August 2003 und ist zumindest einen Umweg wert.
Informationen: Telefon:03 51/48 46-6 70, im Internet unter www.dhmd.de/mensch-und-tier. Geöffnet täglich, außer montags. Norbert Jachertz
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