ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2002Kardiologie: Neue Impulse für schwache Herzen

VARIA: Technik

Kardiologie: Neue Impulse für schwache Herzen

Dtsch Arztebl 2002; 99(51-52): A-3483 / B-2937

Menke, Wolfgang

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Bei der kardialen Resynchronisation wird zusätzlich zum rechten auch der linke Ventrikel stimuliert. Die Elektrode dafür liegt zumeist in einer Koronarvene. Foto: Medtronic
Bei der kardialen Resynchronisation wird zusätzlich zum rechten auch der linke Ventrikel stimuliert. Die Elektrode dafür liegt zumeist in einer Koronarvene. Foto: Medtronic
Spezielle Herzschrittmacher zur „kardialen Resynchronisation“ sind ein viel versprechender neuer Therapieansatz bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz.

Die Technik bestimmt derzeitig den Rhythmus in der Kardiologie. Schlag auf Schlag wurden Anfang September 2002 beim Europäischen Kardiologenkongress in Berlin neue therapeutische Verfahren vorgestellt:
- Biventrikuläre Schrittmacher, welche die Förderleistung bei bestimmten Formen der Herzinsuffizienz erhöhen.
- Mit Medikamenten beschichtete Stents, die das Risiko einer Restenosierung deutlich reduzieren können.
- Mechanische Pumpsysteme, welche die Herzfunktion so lange unterstützen oder ersetzen, bis die Störung behoben oder ein Spenderherz gefunden ist.
- Telemetrische Zusatzkomponenten für kardiologische Implantate, mit denen die technische und die medizinische Funktion überwacht werden können.
Große Fortschritte bei der Behandlung der Herzinsuffizienz verspricht die kardiale Resynchronisation zur Behandlung der Herzinsuffizienz. Bei ihr verwendet man spezielle biventrikuläre Herzschrittmacher mit drei Elektroden. Je eine Elektrode liegt im rechten Vorhof und in der rechten Kammer. Die dritte Elektrode wird zur Stimulation der linken Kammer über den Koronarsinus in eine Koronarvene eingeführt.
Ergebnisse
In einer ganzen Reihe von Studien hat die kardiale Resynchronisation bei Patienten mit Herzinsuffizienz positive therapeutische Effekte gezeigt. Besonders Patienten mit Störungen der ventrikulären Erregungsausbreitung können von ihr profitieren. Durch die biventrikuläre Stimulation werden rechtes und linkes Herz wieder synchronisiert. Eine Verbesserung der Pumpfunktion des linken Ventrikels führt zu einer höheren Förderleistung. Im Rahmen der randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudie MIRACLE (Multicenter InSync Randomized Clinical Evaluation), die an 67 nordamerikanischen Zentren durchgeführt wurde, erhielten 453 Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA-Stadien 3 oder 4 der New York Heart Association) und einem Linksschenkelblock im EKG (QRS-Dauer mindestens 130 ms) das biventrikuläre Schrittmachersystem Medtronic InSync Modell 8040 implantiert. Bei 68 Prozent der Patienten der Behandlungsgruppe hat sich nach sechs Monaten das NYHA-Stadium um ein oder mehrere Stadien verbessert, in der Kontrollgruppe (kardiale Resynchronisationsfunktion ausgeschaltet) „nur“ bei 38 Prozent. Eine Verbesserung der Belastungsfähigkeit (6-minütige Gehstrecke) und der Lebensqualität konnten nachgewiesen werden. Die Kranken­haus­auf­enthalte reduzierten sich um mehr als 70 Prozent.
Fazit
Die biventrikuläre Stimulation stellt einen sehr viel versprechenden primären Therapieansatz bei mittelschweren und schweren Formen von Herzinsuffizienz dar, insbesondere wenn gleichzeitig ein Schenkelblock vorliegt. Probleme kann es vor allem noch bei der Einbringung und Verankerung der linksventrikulären Elektrode über eine Koronarvene geben. Nach bisher vorliegenden Ergebnissen ist Optimismus durchaus gerechtfertigt. Die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der behandelten Patienten haben deutlich zugenommen. Auch wird der Sympathikotonus gedämpft, was auf längere Sicht günstige Wirkungen erwarten lässt. Verbindliche Aussagen hierzu sind aber momentan noch nicht möglich. Wolfgang Menke

Veranstaltung „Herzinsuffizienz in Europa – Medizintechnik bietet Chancen für Millionen Patienten, Berlin“ des Unternehmens Medtronic anlässlich des Deutschen Kardiologenkongresses, Berlin.
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