ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1996Medizinstudium in Padua: In den Fußstapfen großer Ärzte

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Medizinstudium in Padua: In den Fußstapfen großer Ärzte

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LNSLNS Die "Natio Germanica" ist eine Organisation deutscher Studenten an der Universität Padua, die auf eine lange Tradition zurückblickt. Der Medizinstudent Andreas Döhnel beschreibt im folgenden Artikel die Aktivitäten der Studentenorganisation und den Reiz, den das Studium an einer der geschichtsträchtigen Universitäten Italiens ausübt.


Die Universität Padua ist eine der ältesten Europas und blickt auf eine mehr als 750jährige Tradition zurück. Ihre Medizinische Fakultät gilt als eine der besten Italiens. Große Namen prägen die Geschichte der Universität: Der englische Arzt William Harvey (1578–1657) entdeckte dort den Blutkreislauf und stellte interessante Experimente über die Blutzirkulation an. Auch der flämische Anatom An-dreas Vesalius (1514–
1564) und der deutsche Arzt Johann Georg Wirsung (1589–1643), der den Bauchspeicheldrüsengang entdeckte, studierten dort.
Traditionell schlossen sich die Studenten der verschiedenen Nationalitäten in "Nationes" zusammen, von denen die "Natio Germanica" die größte war. Ihr gehörten auch Balten, Böhmen und Niederländer, wie Erasmus von Rotterdam, an. Die "Natio Germanica" existiert auch heute noch als selbstfinanzierte und unpolitische Studentenorganisation. Sie unterstützt deutsche Studenten, die an der Universität Padua studieren, und pflegt die Verbindung mit den italienischen Kommilitonen und Dozenten. Außerdem vermittelt sie unentgeltlich Wohnungen, unterhält eine umfangreiche medizinische Bibliothek und organisiert Vorbereitungskurse in Italienisch, Biologie, Chemie, Mathematik und Physik für die obligatorische Aufnahmeprüfung an der Universität. Die "Natio Germanica" ist auch Mitveranstalter der jährlichen Seminarkonferenz in Grado, die von der Bundes­ärzte­kammer und der Österreichischen Ärztekammer ideell unterstützt wird.
Das Interesse deutscher Medizinstudenten an einem Vollzeitstudium in Padua scheint jedoch – trotz unveränderter Beliebtheit bei Erasmus-Studenten – nachzulassen. Dabei kann das Auslandsstudium viele Vorteile mit sich bringen. Die Medizinstudenten in Padua erhalten eine fundierte theoretische Ausbildung, in deren Verlauf 54 überwiegend mündliche, aber auch schriftliche Prüfungen abzuleisten sind. Das Multiplechoice-Verfahren wird nur selten angewendet. Darüber hinaus erzieht ein Auslandsaufenthalt zu mehr Selbständigkeit und Eigenverantwortung, was in Padua dadurch gefördert wird, daß die Studenten ihr Studium weitgehend selbst bestimmen und selbst entscheiden, wann sie welche Prüfungen absolvieren. Die Hochschule von Padua unterstützt aber auch das Verständnis für medizingeschichtliche Zusammenhänge und die europäische Zusammenarbeit.


Anschrift des Verfassers:
Andreas Döhnel
c/o Natio Germanica
Via San Massimo 37
I–35100 Padova

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