ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003100. Jahrgang des Deutschen Ärzteblattes: Verwirrende Chronologie

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100. Jahrgang des Deutschen Ärzteblattes: Verwirrende Chronologie

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): A-19 / B-17 / C-17

Gerst, Thomas

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Eigentlich sollte ein Jubiläum Grund zum Feiern sein. Doch
die Zählweise der Jahrgänge erscheint recht eigenwillig.

Es gibt Zeitabschnitte in der deutschen Geschichte, in denen der Begriff der ungebrochenen Tradition nicht allzu positiv besetzt war. Als im Mai 1949 das „Deutsche Ärzteblatt“ nach 1945 zum ersten Mal wieder erschien, entschieden sich die Herausgeber – die Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern und die Arbeitsgemeinschaft der Landesstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen – zunächst für den Zeitschriftentitel „Ärztliche Mitteilungen“ und knüpften damit an die Tradition des seit dem Jahr 1900 vom Hartmannbund herausgegebenen Verbandsorgans an. Auf Anordnung des Reichsärzteführers Gerhard Wagner waren die „Ärztlichen Mitteilungen“ zum 1. Juli 1933 mit dem „Deutschen Ärzteblatt“ zu einer einheitlichen Standespublikation zusammengefasst worden. Folgerichtig begann man 1949 mit dem Jahrgang 34, um eine Verbindung zu dem in der NS-Zeit von der Reichsärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands herausgegebenen „Deutschen Ärzteblatt“ zu vermeiden.
Dreizehn Jahre später wogen die Gründe für die Nichtwiederverwendung des Titels nicht mehr so schwer. Allerdings sorgte nun die Jahrgangszählung, die ab dem Jahr 1962 mit Wiedereinführung der Bezeichnung „Deutsches Ärzteblatt“ angewendet wurde, für zusätzliche Verwirrung. Der Zählung wurden einfach die zwölf Jahre des „tausendjährigen“ Reiches hinzugefügt, sodass 1962 aus dem 47. der 59. Jahrgang wurde.
Nicht berücksichtigt wurde dabei, dass das „Deutsche Ärzteblatt“ vorrangig in einer anderen Traditionslinie steht. Es geht zurück auf das „Ärztliche Vereinsblatt für Deutschland“, das im September 1872 als „Centralorgan“ des im folgenden Jahr konstituierten Deutschen Ärztevereinsbundes erschien. Länger als ein halbes Jahrhundert hatte dieser heute antiquiert wirkende Zeitschriftentitel Bestand. Mit dem ersten Heft des Jahres 1930, im 59. Jahrgang, erfolgte die Umbenennung in „Deutsches Ärzteblatt“. Nur drei Jahre später, gerade als der Ärztevereinsbund die Herausgabe der Zeitschrift in einem eigenen Verlag übernommen hatte, erfolgte die Verschmelzung mit den „Ärztlichen Mitteilungen“. Somit wäre die Zeitschrift heute beim 132. Jahrgang angelangt – also kein runder Anlass zum Feiern. Wollte man sich diese Zählweise der Jahrgänge zu Eigen machen, steht man allerdings vor einem neuen Zähl-Problem: Bis zum Juni 1933 erschien das „Deutsche Ärzteblatt“ im 62. Jahrgang; einen Monat später, nach der Vereinigung mit den „Ärztlichen Mitteilungen“, war man bereits beim 63. Jahrgang angelangt. Thomas Gerst
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