ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Neuroleptika: Bedauerlich
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LNSLNS Die Veröffentlichung der Änderungen des Therapiehinweises zum Gebrauch der atypischen Neuroleptika im November kam leider sehr spät. Mittlerweile wurde ein weiteres atypisches Neuroleptikum zugelassen und eine Depot-Formulierung eines Atypikums eingeführt. Zumindest Letzteres ist eine Veränderung, die auch die Handlungsanweisungen des Therapiehinweises hätte beeinflussen können.
Die Übersicht über atypische Neuroleptika, ihre erwünschten und unerwünschten Wirkungen, die in dieser Veröffentlichung gegeben wird, ist sachlich, sorgfältig und wünschenswert. Die Empfehlungen zur Wirtschaftlichkeit und Verordnungshinweise sind in ihren Formulierungen tendenziös zugunsten des Einsatzes klassischer, typischer Neuroleptika. Es werden Vorschläge unterbreitet, die nicht nur praxisfern sind, sondern bis an den Rand fachlicher Ungereimtheiten gehen, wie zum Beispiel „das Umsetzen auf ein anderes, niedrigpotentes Neuroleptikum“.
Es stimmt sehr nachdenklich, dass ein Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen, beiden Gruppen sollte das Wohl der betroffenen kranken Menschen zuallererst ein Anliegen sein, eine Arzneimittelrichtlinie verfasst, in der für den Patienten und sein Lebensumfeld wichtige Punkte wie Antrieb, Kognition, EPS und Spätdyskinesien so gering gewichtet werden, dass deren Bedeutung sowohl für das persönliche Wohl als auch für die Gesamtkosten von psychischen Störungen untergeht.
Es ist bedauerlich, dass das jahrelange Bemühen von Ärzten und Patienten um eine menschenwürdige Behandlung psychotischer Störungsbilder immer noch durch die vordergründige Betrachtung von Medikamentenkosten behindert wird, die in ihrer Höhe mit den Aufwendungen für andere Krankheiten vergleichbar sind.
Dr. med. Siegfried Straeten-Diekämper, Gustav-Pinkus-Straße 8, 32457 Porta Westfalica
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