ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Gesundheitsreform: Gedanken zum „Kronberger Kreis“

BRIEFE

Gesundheitsreform: Gedanken zum „Kronberger Kreis“

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): A-28 / B-26 / C-26

Dann, Detlef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der „Systemwechsel“ widerspricht den Prinzipien des Sozialstaats, der auch finanziellen Solidarität der Stärkeren mit Schwächeren und Marginalisierten unter der Erwartung eines auskömm-lichen, halbwegs friedlichen, zivil und kulturell prosperierenden Gemeinwesens.
« Pflichtversicherung mit einigen selbst zu bastelnden Modalitäten und Vorab-Prämien-Leistung: Die Daten verarbeitende und Daten verwendende Industrie macht einen Riesen-Luftsprung für solch tolles Auftragsvolumen (Direktbeteiligung, Selbstbehalt, Kopfprämie, persönlich geschneidert nach Einkommen und Vermögenslage etc.).
¬ Die Verschmelzung von GKV und PKV ist ein fantastischer Weihnachtswunsch in den Köpfen aller Geldanleger, die Kapital mit guter Rendite-Aussicht investieren möchten. Denn: Die Rahmenbedingungen für diese Kapitalanlage in Versicherungen sind recht günstig:
! Nach dem Vorschlag der ordoliberalen Nationalökonomen wird die Prämie nicht lohnbezogen gestaltet, ist also unabhängig vom Beschäftigungsgrad, das heißt nicht schwankend; auch die Rentner sind voll dabei.
! Gesundheitsmarkt ist ein Wachstumsmarkt. Die Eckdaten aus den USA der Jahre 1992 bis 1998 sagen, dass dieser Markt Jahr für Jahr zwischen 6,1 und 7,4 % wächst. So auch in Deutschland, jedes Jahr.
! Das Lohndumping (Honorardiktat, Budget etc.) der GKV und PKV wird ausgebaut.
! Die Qualitäts-Sicherung (mit entsprechendem Datenaufwand) wird vorangetrieben, Fehler, Schäden, Ausfälle, „Kosten“ sollten minimiert werden.
­ Kontraktionszwang mit lizenzierten Ärzten besteht nur dann nicht, wenn höhere Prämien geleistet werden. Anders herum: Die Versicherungen werden nach ihren Kriterien für ihre Mitglieder die Honorierung der Ärzte regulieren und gestalten. Folglich müssen auch die Ärzte ihre Leistung regulieren und gestalten. Wieder USA: Die DMP benachteiligen oder schließen aus: Schwerkranke, Multimorbide, chronisch Kranke.
Fazit: Die Vorstellungen aus Kronberg sind wirtschaftsfreundlich, nicht krankenfreundlich, nicht patientenbezogen, nicht bürgerfreundlich.
Zwei Punkte fehlen mir bei den systemwechselnden Initiativen der Nationaleinkommen:
Prämien-Reduktion für Nichtraucher, Nichttrinker, Normalgewichtige (BMI 20-30).
Pflichtversicherung für alle Europa-, Bundestags-, Landtags- und Kreistagsabgeordneten.
Dr. med. Detlef Dann,
Schlossstraße 1, 55411 Bingen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige