ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Versorgungswerke: Über Privatisierung jeder Altersvorsorge diskutieren
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LNSLNS . . . Wenn über die Angelegenheit sachlich diskutiert werden soll, müsste eine deutliche Gegenüberstellung der Bedingungen, unter denen man hier oder da versichert ist, geschehen. Es müsste auch berücksichtigt werden, wie weitaus überdurchschnittlich engagiert die meisten Mitglieder der Versorgungswerke in ihren Berufen sind. Ich möchte mal wissen, wer von denen, die so schreien, für das Gehalt, das Ärzte heutzutage haben, so viel und unter solchen Bedingungen arbeiten wollte. Mein Hauswirt, Industriemeister, sagt platterdings, für das Gehalt, das ich bekäme, würde er nicht arbeiten gehen. Und was ist mit denen, die auch ihre private Altersvorsorge durch freiwillige höhere Beiträge an das Versorgungswerk gesichert zu haben glauben?
Sollte die Abschaffung der Versorgungswerke ernsthaft diskutiert werden, dann müssten deren Mitglieder verlangen, dass auch für die allgemeine, gesetzliche Rentenversicherung die gleichen Bedingungen herrschen wie für die Mitglieder der Versorgungswerke. Denn welche Einstellung viele gesetzlich Versicherte zu der Solidargemeinschaft haben, mit anderen Worten, wie solidarisch sie selbst fühlen und handeln, und wie viel bzw. wenig sie sich selbst abzuverlangen bereit sind, das erlebe ich arbeitstäglich als Angestellte beim MdK und höre es auch in privaten Diskussionen. So was wie ein MdK müsste in einer Gemeinschaft, in der sich jeder solidarisch verhält, eigentlich überflüssig sein. Und wer mit „gerade Ärzte sollten . . .“ moralisiert und die Aufgabe der Versorgungswerke verlangt, sollte jedenfalls darauf eingestellt sein, auch alle Ansprüche an die jederzeitige und noch dazu freundlich-zugewandte Verfügbarkeit der Ärzte aufzugeben. Ansonsten ist das vorwürfliche Fingerzeigen auf die Mitglieder der Versorgungswerke ein unglaubwürdiges Gesülze. Ich möchte behaupten, dass die Versorgungswerke als Solidargemeinschaft weitaus besser funktionieren als die gesetzlichen Rentenversicherungen, während die Risiken, für die sie versichert sind, die gleichen sind: Berufsunfähigkeit und Alter. Nicht die Abschaffung der Versorgungswerke sollte diskutiert werden, sondern die Privatisierung jedweder Altersvorsorge nach dem Muster der Versorgungswerke und das Abschaffen von bestimmten oder vermeintlichen Rechtsansprüchen in den gesetzlichen Versicherungen, die vor allem zu ungebührlichen Ansprüchlichkeiten führen, aber nicht zu wirklicher Solidarität unter den Versicherten.
Dr. med. Maria Ridder,
Hessenweg 17, 50389 Wesseling
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