ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes: Falsche Zuordnung der Medikamente

MEDIZIN: Diskussion

Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes: Falsche Zuordnung der Medikamente

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): A-46 / B-44 / C-43

Mayer, Karl C.

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LNSLNS Der Artikel „Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes“ ist für Nichtkardiologen eine willkommene Übersicht über diese wichtige Problematik. Insbesondere die klare Darstellung der Empfehlungen für die Praxis ist hilfreich.
Etwas störend sind die fehlerhaften Zuordnungen der Medikamente in den Tabellen. Trazodon und Venlafaxin sind Antidepressiva, auch die genannten Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) wären besser unter dem Begriff Antidepressiva untergebracht. Die genannten Triptane Naratriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan sind Migränemittel und als solche keine Psychopharmaka. Bei den Antiepileptika fehlt unter Umständen Felbamat.
Interessant wäre für den Nervenarzt auch eine Gewichtung des Ri-
sikos dieser Nebenwirkungen innerhalb der Gruppen soweit dies mög-
lich ist. Mein Stand der Dinge ist, dass die genannten Nebenwirkungen bei trizyklischen Antidepressiva wesentlich bedeutsamer sind als bei den genannten Serotoninwiederaufnahmehemmern.
Thioridazin scheint nach den mir bekannten Veröffentlichungen in seiner Gefährlichkeit aus der Gruppe der Neuroleptika herauszuragen und nach manchen Angaben immerhin das Risiko plötzlicher Todesfälle zu verfünffachen. Neben dem Genuss von Lakritze mit der Folge einer Hypokaliämie könnte eventuell auch ein Hinweis auf eine Erhöhung der Gefährdung durch den Genuss von Grapefruitsaft und die Einnahme von Johanniskrautpräparaten sinnvoll sein.
Jedenfalls scheint eine Beeinflussung des Serumspiegels der entsprechenden Medikamente durch beides über eine Induktion von Zytochrom P450 möglich. Ob man jedem Patienten das Risiko und die damit verbundenen Symptome erklären kann, ist bei psychiatrischer Indikation zu bezweifeln. Schwer depressive Patienten oder Patienten, die an Panikattacken leiden, kann man sicherlich von der Notwendigkeit eines EKG überzeugen, ob man ihnen das Risiko tödli-
cher Nebenwirkungen, die sich als Schwindel äußern, erklären kann, ist fraglich.
Unangenehmes Herzrasen und Schwindel sind bei diesen Krankheiten oft ein bedeutsames, regelmäßiges Begleitsymptom von Panikattacken. Nicht jedes dieser Ereignisse kann bei diesen Patienten mit einem EKG beantwortet werden. Dies wäre hier aus therapeutischen Gründen kontraindiziert.
Sollte meine Vermutung auf Grundlage eigener Literaturrecherche zutreffen und sollten bei den Antidepressiva zum Beispiel die Trizyklika wesentlich häufiger zu solchen Komplikationen führen, verbleibt die Frage nach der Therapieentscheidung unter Budgetgesichtspunkten. Regelmäßige Labor- und EKG-Kontrollen belasten das Medikamentenbudget nicht, nebenwirkungsärmere Behandlungen, die dies seltener erforderlich machen, stellen wie genannt eine therapeutische Alternative mit vergleichbarer Wirkung dar. Alleine, es bleibt unsicher, ob die eingesparten EKGs und Elektrolytbestimmungen bei der Frage des Regresses mitberücksichtigt werden.

Literatur beim Verfasser

Karl C. Mayer
Friedrich-Ebert-Anlage 7
69117 Heidelberg-Altstadt

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