ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes: Beachtung der QT-Zeit bei Verordnungen

MEDIZIN: Diskussion

Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes: Beachtung der QT-Zeit bei Verordnungen

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): A-47

Connemann, Bernhard J.

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LNSLNS Möglicherweise sind durch Medikamente hervorgerufene ventrikuläre Arrhythmien eine der Hauptursachen des plötzlichen Todes. Das Auftreten von Torsade-de-pointes-Tachykardien ist mit einer verzögerten Repolarisation assoziiert, und in den meisten dokumentierten Fällen wurden im Intervall sehr lange QTc-Zeiten gemessen. Ich habe jedoch Zweifel, ob QTc-Zeiten über 500 ms eine notwendige Voraussetzung für Torsade-Ereignisse sind. Gut dokumentiert sind vor allem die vorhersehbaren Fälle, in denen eine Monitorisierung bereits vor dem tachykarden Ereignis bestand. Das sind häufig Intoxikationszustände, die mit wesentlich verlängerten QT-Zeiten und gleichzeitig mit gehäuftem Auftreten ventrikulärer Tachykardien einhergehen.
Der plötzliche Tod ist dagegen in der Regel nicht hinreichend dokumentiert, und die QT-Zeiten sind unbekannt. Dieser Umstand bewirkt eine Verzerrung zugunsten der Korrelation zwischen Torsade und QT-Zeit. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit einer ventrikulären Tachykardie bei mäßig verzögerter Repolarisation gering wäre, müsste dies nicht für die absolute Anzahl tachykarder Ereignisse gelten, da mäßige Verlängerungen entsprechend häufiger sind.
Plötzliche Todesfälle sind unter zahlreichen Substanzen aufgetreten, die, wie Haloperidol, nur mäßige QT-Zeit-Veränderungen bewirken. Die Ursache mancher unvorhergesehenen Todesfälle ist vielleicht nicht die seltene extrem verlängerte, sondern die häufigere mäßig verlängerte QT-Zeit. Ich möchte dafür plädieren, die QT-Zeit bei Verordnung einschlägiger Substanzen generell sehr aufmerksam zu beobachten.
Es scheint mir nicht zweckmäßig zu sein, eine Zeit in der Einheit ms½ oder ms2/3 anzugeben, auch wenn sie „korrigiert“ ist. Das ist eine Frage der Form, nicht des Inhaltes. Wenn zum Beispiel die Bazett-Korrektur als QTc: = QT* (f/f0)½ angegeben wird, wo f die gemessene Herzfrequenz in 1/min und f0 = 60/min bedeuten, dann hat QTc auf natürliche Weise dieselbe Dimension wie QT. Insofern ist die Angabe in s oder ms eigentlich keine „Vereinfachung“, sondern einfach nur vernünftig.

Dr. med. Bernhard J. Connemann
Psychiatrische Universitätsklinik
Leimgrubenweg 12
89075 Ulm
E-Mail: bernhard.connemann@medizin.uni-ulm.de

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