ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes: Frequenzkorrektur des QT-Intervalls

MEDIZIN: Diskussion

Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes: Frequenzkorrektur des QT-Intervalls

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): A-47

Nocke, Helmut

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LNSLNS In Tabelle 1 leiten die Autoren aus den klassischen Formeln zur Frequenzkorrektur des QT-Intervalls Zeiteinheiten mit gebrochenen Exponenten ab und favorisieren sie als die „mathematisch richtigen“. Nimmt man die Formeln so, wie sie dastehen, trifft das auch zu. (Jedoch müsste QTc nach der Fridericia-Formel dann aber die Einheit s2/3 haben.)
Sowohl mit der Formel nach Bazett als auch mit der nach Fridericia wird beabsichtigt, QT auf einen Wert zu korrigieren, der sich ergäbe, wenn das Herz des untersuchten Menschen mit einer Frequenz von 60 min-1 schlüge. Es gibt demnach keinen sachlichen Grund, QTc in einer anderen Maßeinheit zu messen als QT. Das Problem besteht darin, dass die Formeln bezüglich der Maßeinheiten nicht korrekt sind.
Diese Korrekturformeln wurden empirisch gefunden und haben sich offenbar in der Praxis bewährt. Anders als bei physikalisch exakt hergeleiteten Formeln versagt bei empirischen Formeln nicht selten die Maßeinheitenrechnung, das heißt, es müssen zusätzliche Informationen über die zu verwendenden Maßeinheiten gegeben werden. In der Tabelle 1 haben die Autoren das auch getan, aber leider vermischt mit Maßeinheitenrechnung. Vollständige und richtige Angaben zu den verwendeten Formeln sind etwa: RR in Sekunden, QT in Sekunden, QTc in Sekunden.
Eine saubere Lösung des Maßeinheitenproblems in den genannten Formeln ist möglich, wenn man den RR-Abstand unter dem Wurzelzeichen durch eine Sekunde dividiert. Die Wurzel wird dann aus einer reinen Zahl gezogen, und der reziproke Wert des Ergebnisses ist der Korrekturfaktor des QT-Intervalls. In (1) ist dieses Verfahren exakt begründet worden.
Dass es sich hierbei nicht um akademische Spitzfindigkeiten handelt, erhellt sogleich, wenn man bedenkt, welche Konsequenzen es hätte, ernsthaft mit den von den Autoren verwendeten Maßeinheiten für QTc zu rechnen. Beispielsweise wären dann 0,5 s½ nicht etwa 500 ms½, sondern 15,8 ms½. Ganz andere Umrechnungsfaktoren entstünden, wenn auf diese Weise nach Fridericia korrigiert worden wäre. Das ist verwirrend und belastet unnötig den ohnehin komplizierten Sachverhalt.

Literatur
1. Molnar J, Weiss JS, Rosenthal JE: The missing second: What is the correct unit for Bazett corrected QT interval? Am J Cardiol 1995; 75: 537–538.

Dr. med. Helmut Nocke
Institut für Physiologie
Otto-von-Guericke-Universität
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg

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