ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de pointes: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): A-48

Haverkamp, Wilhelm

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LNSLNS Für die ergänzenden Bemerkungen von Herrn Dr. Nocke zu meinem Beitrag bedanke ich mich. Die beim Einsatz der Formel nach Bazett zu verwendende Maßeinheit ist in der Vergangenheit häufig Gegenstand von Diskussionen gewesen. Für ungeeignet halte ich die früher oft verwandte und von Herrn Dr. Schott favorisierte Angabe der frequenzkorrigierten QT-Zeit in Prozent. Dies unter anderem deshalb, weil die Festlegung einer „Soll-QT-Zeit von 100 Prozent“ wenig sinnvoll ist.
Herr Dr. Connemann weist richtigerweise darauf hin, dass massive Verlängerungen der myokardialen Repolarisation keine für das Auftreten von Torsade de pointes unbedingt notwendige Voraussetzung sind. Zahlreiche in der Literatur gut dokumentierte Fälle von medikamenteninduzierten Torsade de pointes weisen aber darauf hin, dass das QT-Intervall zumindest zum Zeitpunkt der Arrhythmie in den meisten Fällen erheblich verlängert ist. Dies schließt eine mäßige Verlängerung des Wertes außerhalb von Arrhythmiephasen nicht aus. Das ist auch für Haloperidol gut dokumentiert. Aufgrund solcher Zusammenhänge sollte jeder Verlängerung des QT-Intervalls Beachtung geschenkt werden.
Zweifelsohne ergeben sich, wie von Herrn Dr. Mayer ausgeführt, bei den im Beitrag in Tabelle 2 aufgelisteten Medikamenten zum Teil erhebliche Unterschiede in der Häufigkeit des Auftretens von Torsade de pointes. Akzeptierte Klassifikationen, die es erlauben würden, das torsadogene Potenzial einzelner Substanzen besser einzuschätzen, fehlen derzeit leider. Bei der Verschreibung von Medikamenten sollte das Nebenwirkungsprofil der jeweiligen Substanz bekannt sein. Informationen hinsichtlich der Beeinflussung des QT-Intervalls finden sich in der Regel auch in den Fachinformationen beziehungsweise sind bei den Herstellern der Präparate erhältlich.

Priv.-Doz. Dr. med. Wilhelm Haverkamp
Medizinische Klinik und Poliklinik C
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Straße 33
48149 Münster

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