ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Präventionspotenzial endoskopischer Vorsorgeuntersuchungen für kolorektale Karzinome: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Präventionspotenzial endoskopischer Vorsorgeuntersuchungen für kolorektale Karzinome: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): A-49

Brenner, Hermann

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LNSLNS Wir danken Herrn Popert für seine Ausführungen zu unserem Artikel. Im Gegensatz zu den Ausführungen von Herrn Popert war die Intention unserer Arbeit, die epidemiologischen Daten zum Präventionspotenzial endoskopischer Vorsorgeuntersuchungen des Darms unter Berücksichtigung neuester Daten einschließlich der ersten einschlägigen Studie aus Deutschland, im Überblick darzustellen. Selbstverständlich sind als Grundlage für ein neu einzuführendes Massenscreening neben der in unserer Arbeit abgehandelten Thematik weitere Größen, insbesondere auch die Kosten-Effektivität, zu berücksichtigen.
Hierzu liegen in der Literatur wesentlich detailliertere und qualifiziertere Berechnungen vor als sie Herr Popert in seiner Zuschrift anfertigt. Entsprechende Literaturstellen (3, 5, 6) waren in unserer Arbeit zitiert. Diese Arbeiten, in denen neben den von Herrn Popert angesprochenen Aspekten weitere sehr wesentliche Faktoren wie zum Beispiel die Compliance sorgfältige Berücksichtigung fanden, kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass der Einsatz endoskopischer Verfahren in der Darmkrebsvorsorge kosteneffektiv ist, eine Einschätzung, die durch eine neuere, zwischenzeitlich erschienene systematische Reviewarbeit zu dieser Thematik nachhaltig gestützt wird (4).
Darin werden beispielsweise für die Vereinigten Staaten die Kosten pro gerettetes Lebensjahr für verschiedene endoskopiebasierte Screeningstrategien in der Allgemeinbevölkerung ab 50 Jahren in der Größenordnung von 10 000 bis 25 000 US-Dollar geschätzt, ein gerade auch im Vergleich zu anderen breit akzeptierten Präventionsmaßnahmen sehr günstiger Wert.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass in bisherigen Studien angesichts fehlender einschlägiger epidemiologischer Daten eine langfristige (über zehn Jahre anhaltende) Risikoreduktion nach Durchführung einer endoskopischen Vorsorgeuntersuchung unberücksichtigt blieb. Diese Thematik wurde in unserer Fall-Kontroll-Studie in Deutschland erstmals systematisch untersucht (1). Dabei ergab sich, dass eine erhebliche Risikoreduktion um etwa 60 Prozent auch dann noch persistierte, wenn die letzte endoskopische Vorsorgeuntersuchung mehr als zehn Jahre (im Median 19 Jahre) zurücklag.
Unter Berücksichtigung dieser Langzeiteffekte stellt sich die Kosteneffektivität endoskopischer Vorsorgeuntersuchungen noch wesentlich günstiger dar als in bisherigen Berechnungen ermittelt (2).

Literatur
1. Brenner H, Arndt V, Stürmer T, Stegmaier C, Ziegler H, Dhom G: Long-lasting reduction of risk of colorectal cancer following screening endoscopy. Brit J Cancer 2001; 85: 972–976.
2. Brenner H, Arndt V, Stürmer T: Cost-effectiveness of colonoscopy in screening for colorectal cancer. Arch Intern Med 2002; 162: 2249.
3. Frazier AL, Colditz GA, Fuchs CS, Kuntz KM: Cost-effectiveness of screening for colorectal cancer in the general population. JAMA 2000; 284: 1954– 1961.
4. Pignone M, Saha S, Hoerger T, Mandelblatt J: Cost-effectiveness analyses of colorectal cancer screening: a systematic review for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med 2002; 137: 96–104.
5. Sonnenberg A, Delcò F, Inadomi JM: Cost-effectiveness of colonoscopy in screening for coloretal cancer. Ann Int Med 2000; 133: 573–584.
6. Vijan S, Hwang EW, Hofer TP, Hayward RA: Which colon cancer screening test? A comparison of costs, effectiveness, and compliance. Am J Med 2001; 111: 593–601.
Für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Hermann Brenner
Deutsches Zentrum für Alternsforschung
Abteilung Epidemiologie
Bergheimer Straße 20
69115 Heidelberg

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