ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Hippotherapie als Heilmittel: Ausschluss von der vertragsärztlichen Versorgung

VARIA: Rechtsreport

Hippotherapie als Heilmittel: Ausschluss von der vertragsärztlichen Versorgung

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): A-57

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LNSLNS Der Kläger verlangte, dass seine Krankenkasse die Kosten einer Hippotherapie übernehmen solle, die er selbst organisiert hatte. Er leidet an einer zerebralen Tetraparese und einem fokalen Anfallsleiden. Das Bundessozialgericht (BSG) entschied jedoch, dass dem Kläger kein Kostenerstattungsanspruch für die Vergangenheit und kein Sachleistungsanspruch auf Gewäh-rung von Hippotherapie zusteht.
Das BSG hat dabei nicht geprüft, ob die Bewegungs-therapie gezielt zur Linderung des Krankheitszustandes eingesetzt wird oder ob sie nur deshalb erforderlich ist, weil sich der Versicherte nicht ohne fachkundige Hilfe sportlich betätigen kann. Das Gericht urteilte vielmehr, der unzweifelhaft günstige Einfluss des Reitens auf den menschlichen Organismus im Allgemeinen reiche für die nach § 27 Abs. 1 SGB V geforderte gezielte Krankheitsbekämpfung nicht aus. Es sei bislang nicht hinreichend belegt, dass sich das Reiten eines derart behinderten Menschen im Sinne einer spezifischen therapeutischen Zielsetzung vom Reiten eines Gesunden unterscheidet und somit die Einstandspflicht der Kran­ken­ver­siche­rung gerechtfertigt ist. Im Übrigen dürften neue Heilmittel nur verordnet werden, wenn der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen zuvor ihren therapeutischen Nutzen bestätigt habe.
In seinen Richtlinien war die Hippotherapie als Krankenkassenleistung ausgeschlossen worden. Über einen neuerlichen Antrag hat das Gremium noch nicht abschließend beraten. Dass sich das Verfahren seit mehr als drei Jahren hinziehe, lasse noch nicht auf eine unsachgemäße Behandlung schließen. Zu berücksichtigen sei, dass der Bundes­aus­schuss über Hippotherapie sieben Mal beraten hat. Deshalb ist es nach Auffassung des BSG zumindest vertretbar, einen neu erteilten Antrag gegenüber der Prüfung anderer Verfahren zunächst zurückzustellen, zumindest solange keine Anhaltspunkte für eine medizinisch völlig neue Situation sprechen. Als neues Heilmittel ist die Hippotherapie jedenfalls von der vertragsärztlichen Versorgung ausgeschlossen, solange sie vom Bundes­aus­schuss nicht anerkannt ist. (Bundessozialgericht, Urteil vom 19. März 2002, Az.: B 1 KR 36/00 R) Be
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