ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2003Börsebius zum Anlagejahr 2003: Bloß die Unsicherheit ist sicher

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zum Anlagejahr 2003: Bloß die Unsicherheit ist sicher

Dtsch Arztebl 2003; 100(1-2): [72]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wie werden die nächsten zwölf Monate, fallen die Zinsen weiter, erholen sich die Aktienkurse, oder taucht der DAX weiter ab? So jung das Jahr, so viele Prognosen haben wir in diesen Tagen über uns ergehen lassen müssen. Gefragte und Ungefragte, echte Experten oder bloß Besserwisser jedweder Couleur schütteten jede Menge bedrucktes Papier oder lapidare Fernsehinterviews in unsere Häupter.
Aber wem soll man bloß glauben, die eigene narzisstische Befindlichkeit mag lieber den Balsam der einschmeichelnden Aufwärtsprognose, dem Weltuntergangspropheten sind wir gleich gar nicht geneigt, unser Ohr zu schenken, selbst wenn er am Ende Recht behalten sollte.
Mir ist durchaus klar, dass viele Leser auch von mir einen Ausblick erwarten. Das ist wahrlich kein leichtes Stück Arbeit. Zum einen haben Prognosen die unglückselige Eigenschaft, dass sie in die Zukunft gerichtet sind, zum anderen erwarten viele Leute eine so klare Meinung in die eine oder andere Richtung, dass zur Erfüllung dieser Erwartungshaltung ein gehöriges Maß an Chuzpe erforderlich ist, die, so fürchte und hoffe ich, mir einigermaßen abgeht.
In eine solche Gemengelage gehören auch einige durchaus häufige Anrufe von Lesern, die mich fragen, welche Aktien am Jahresende, gemessen am heutigen Kurs, sich verdoppelt haben werden. Welche Frage! Da hätte ich dann nicht übel Lust, irgendeinen Titel zu nennen. Bloß was mache ich, wenn die Prognose sich erfüllt, dieses verdammte Teil tatsächlich 100 Prozent zulegt, und der reich Beschenkte mir dann etwa noch die Hälfte des Gewinns abzugeben geneigt ist. Also doch lieber nicht.
Im Ernst, ich schreibe diese Zeilen eigentlich eher für mich, weil ich mir selbst ein Szenario verinnerlichen will, von dem ich glaube, dass es eine relativ große Eintrittswahrscheinlichkeit hat. Wenn es dann nicht zutrifft, brauche ich bloß auf mich selbst böse zu sein.
Zuerst also, der Irak-Krieg wird kommen, aber das wird die Kurse nicht weiter nach unten drücken. Im Gegenteil denke ich eher, dass die Weltbörsen diesen Umstand als „befreiende“ Tatsache kommentieren würden. Die Zinsen werden noch einen Tick weiter runtergehen, bis die ersten Anzeichen einer Konjunkturerholung die miese Ertragslage der meisten Unternehmen aufhellen.
Wenn sich die Stimmung in den Vorstandsetagen bessert, investiert die Wirtschaft auch wieder. Ich denke, dass wir in 2003 die eine oder andere positive Überraschung erleben werden. Große Deutsche Standardwerte könnten durchaus reüssieren.
Da aber nichts so sicher ist wie die Unsicherheit, gilt es nach wie vor, sich in Bescheidenheit zu üben, will heißen, die Aktienquote nicht über Gebühr auszuweiten. Dann kann es ein gutes Jahr werden.
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