ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2003Ausblick 2003: Hoffen auf EBM 2000plus

EDITORIAL

Ausblick 2003: Hoffen auf EBM 2000plus

PP 2, Ausgabe Januar 2003, Seite 1

Bühring, Petra

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LNSLNS Alle Bemühungen der letzten Jahre, den vom Bundessozialgericht bestätigten Punktwert von 10 Pfennig für Leistungen der Richtlinienpsychotherapie durchzusetzen, wären in der Tat sinnlos gewesen, sollte sich der Gegenentwurf der Krankenkassen zum EBM 2000plus der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) durchsetzen. Der Entwurf der Kassen senkt die Bewertung, also die Punktzahl, aller ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen willkürlich ab. So liegt zum Beispiel die Bewertung des kalkulatorischen Arztlohns, das heißt die Bewertung einer Arztminute, noch unter der eines Pflegers. Die Bewertung der Richtlinienpsychotherapie liegt um rund 30 Prozent unter der jetzigen. Dr. med. Andreas Köhler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Honorarexperte der KBV, drückt das so aus: „Das Konzept der Krankenkassen ist absurd.“ (Siehe Interview in diesem Heft)
Über die Neuregelung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) verhandeln KBV und Krankenkassen bereits seit 1998 (siehe auch „Die Kassen ziehen nach“ in PP, Heft 12/2002). Die KBV legt inzwischen die 52. Fassung des Entwurfs vor. Im gemeinsamen Bewertungsausschuss konnten sich die Parteien bisher nicht einigen, weshalb die KBV erstmals den Erweiterten Bewertungsausschuss, das Schiedsamt auf Bundesebene, angerufen hat. Dieser hat am 19. Dezember entschieden, die Praxisbudgets für die Ärzte zum 1. Juli 2003 abzuschaffen – die Verhandlungen zum neuen EBM gehen noch bis Ende Juni nächsten Jahres weiter. Köhler ist davon überzeugt, „dass sich der Vertragsarzt mit der neuen Gebührenordnung identifizieren kann“.
Die Psychotherapeuten können mit der Bewertung im KBV-Entwurf zufrieden sein. Eine Einzelsitzung der Richtlinienpsychotherapie wird dort mit 1 680 Punkten bewertet – zurzeit beträgt die Punktzahl 1 450 Punkte. Die Krankenkassen dagegen wollen dieselbe Leistung nur mit 1 050 Punkten bewerten, ein Wert, der noch hinter den Stand der letzten EBM-Reform zurückfällt. Das heißt, selbst bei einem Punktwert von 5,11 Cent würde das Honorar pro 50-Minuten-Sitzung nur rund 56 Euro betragen.
Die Arbeitsgemeinschaft der Landespsychotherapeutenkammern wirft den Spitzenverbänden der Krankenkassen in einer Stellungnahme vor, die gesetzlich zugesicherte angemessene Vergütung zu verweigern und die BSG-Rechtsprechung zum 10-Pfennig-Punktwert zu ignorieren. Würde sich die Bewertung psychotherapeutischer Leistungen mit 1 050 Punkten durchsetzen, müsste der Punktwert viel höher als 10 Pfennig beziehungsweise 5,11 Cent sein. Dies ist zurzeit jedoch völlig unrealistisch – ebenso wie der EBM-Entwurf der Krankenkassen.
Petra Bühring
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