BÜCHER

Das heimatlose Ich

PP 2, Ausgabe Januar 2003, Seite 2

Reiners, Holger

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Depressionen
Langer Irrweg zur richtigen Therapie
Holger Reiners: Das heimatlose Ich. Aus der Depression zurück ins Leben. Kösel-Verlag, München, 2002, 192 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 17,95 €
Holger Reiners beschreibt, wie er nach rund 20 Jahren Leben mit der Depression, den „Weg zurück ins Leben“ fand. Heute lebt er erfolgreich und zufrieden als Autor von Architekturbüchern und Unternehmensberater in Hamburg. Seine These lautet: Depressive halten an einem „verzerrten Wunschbild“ ihres Lebens fest. Nur wem es gelingt, sich von dieser Lebensillusion zu befreien, kann der Krankheit entkommen. Das Buch richtet sich in erster Linie an Betroffene, denen der Autor Mut machen will. Auch wenn es aussichtslos erscheinen mag, ohne Depression zu leben, kann eine Heilung möglich sein. Bei Angehörigen von psychisch Kranken versucht er Verständnis zu wecken für die Erkrankung, die nicht sichtbar ist und deren Symptome daher oft als Charakterschwäche ausgelegt werden.
Ärzten und Psychotherapeuten sollte das Kapitel zu denken geben, in dem Reiners seinen jahrelangen Irrweg zur für ihn richtigen Behandlung beschreibt. Da gibt es den Hausarzt, der sich seine Inkompetenz nicht eingestehen will und den damals 17-Jährigen bis zum ersten Suizidversuch mit Beruhigungsmitteln behandelt. Der berühmte Chefarzt stellt die Diagnose nach zehn Minuten, in denen er hauptsächlich über sich selbst erzählt. Der skurrile Psychiater lässt sein Pendel diagnostizieren, die „verhuschte Professorin“ praktiziert im Wohnzimmer und der (nicht verschreibungsbefugte) Psychologe verlangt, „aus ideologischen Gründen“ auf jegliche Medikamente zu verzichten. Hilfe findet Reiners schließlich bei einem „Freud-Verschnitt mit Bart, Freud-Brille und Freud-Habitus“. Der Psychoanalytiker wird jahrelang zu seiner wichtigsten Bezugsperson und trägt, ebenso wie Joggen und ein geregelter Tagesablauf, entscheidend zu seiner Genesung bei.
Reiners schreibt witzig und gewandt mit einer Portion Sarkasmus. Das Buch klärt daher nicht nur auf, sonder hat auch Unterhaltungswert.
Petra Bühring
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