ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2003Prävention: Screening auf dem Prüfstand

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Prävention: Screening auf dem Prüfstand

PP 2, Ausgabe Januar 2003, Seite 5

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Einigkeit herrscht über die Einführung des Mammographie- Screenings. Foto: ddp
Einigkeit herrscht über die Einführung des Mammographie- Screenings. Foto: ddp
Kassen wollen Früherkennungsprogramme prüfen.
Für eine verbesserte Nut-zen-Risiko-Bewertung flächendeckender Screening-Programme zur Früherkennung schwerer Erkrankungen haben sich Vertreter des Bundesverbandes der Innungskrankenkassen (IKK) und des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Kran­ken­ver­siche­rung (MDS) ausgesprochen. Derlei Programme müssten vor ihrer Einführung in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) einer gründlichen Bewertung unterzogen werden, forderten die Experten bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung in Berlin.
Vorbeugung und Früherkennung gehörten zu den wesentlichen Aufgaben der GKV. Allerdings müsse auch bei Früherkennungsmaßnahmen die Evidenzlage geklärt und ein gesundheitlicher Nutzen für die Teilnehmer nachgewiesen werden, sagte Prof. Dr. med. Jürgen Windeler, MDS-Experte für evidenz-basierte Medizin. Für eine positive Bewertung einer Screening-Maßnahme reiche es nicht aus, Erkrankungen in einem frühen Stadium zu entdecken. „Entscheidend ist, ob ein gesundheitlicher Nutzen erreicht werden kann“, so Windeler. Es müsse beispielsweise geklärt werden, ob die frühzeitige Entdeckung eines bestimmten Tumors das Leben des Patienten tatsächlich verlängern würde.
Rolf Stuppardt, Vorstandsvorsitzender des IKK-Bundesverbandes, wies darauf hin, dass Früherkennungsprogramme in der Öffentlichkeit positiv besetzt seien. Dies verstärke den Druck auf die Kassen, bei der Einführung von Screening-Programmen großzügig zu verfahren. Stuppardt: „Die Krankenkassen haben aber auch die Aufgabe, im Interesse ihrer Versicherten die Frage nach der Effektivität und nach möglichen Schäden zu stellen.“ Dabei müssten sich die Kassen häufig den Vorwurf gefallen lassen, dass sie bestimmte Untersuchungen nicht bezahlen wollten. Slogans wie „Vorbeugen ist besser als Heilen“ klängen so plausibel, dass oftmals Warnungen vor möglichen Risiken in der Öffentlichkeit nicht gehört würden.
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