ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2003Psychoanalytiker: Uneinheitliches Bild

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Psychoanalytiker: Uneinheitliches Bild

PP 2, Ausgabe Januar 2003, Seite 30

Kettler, Richard

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LNSLNS Freud war kein orthodoxer Psychoanalytiker. Er ging unorthodox mit seinen Patienten um. Erst einige seiner Epigonen wurden – allerdings von ihm unterstützt – „päpstlicher als der Papst“. Es gab in den Anfängen hochfrequente, aber kaum (über)lange Psychoanalysen.
Die in der Dachgesellschaft DGPT organisierte Psychoanalyse bietet derzeit ein uneinheitliches Bild hinsichtlich ihres Selbstverständnisses. Das erschwert den berufspolitischen Umgang mit ihr. „Fundamentalistische“ Strömungen stehen „liberalen“ Kräften gegenüber, die anscheinend alles für erlaubt halten und dadurch Gefahr laufen, das Kind mit dem Bade auszuschütten, wie man in dem Artikel den Eindruck haben kann.
Die Psychoanalyse steht vor der Schwierigkeit, unter den neuen Bedingungen einer zweigliedrigen Weiterbildungslandschaft – hier die ärztliche Weiter­bildungs­ordnung, dort die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten – ihr traditionell berufsübergreifendes Selbstverständnis auch in Zukunft zu realisieren.
Statt sich nun aber in dieser prekären Lage gegenüber der Medizin kooperativ zu verhalten, lehnt sie das „medizinische Krankheitsmodell“ pauschal ab (NZZ 25./26. 3. 2000), brandmarkt eine sinnvolle ärztliche Methodenkombination als „Kunstfehler“ (Pt-Fachausschuss April 2001), diagnostiziert beim Facharzt für Psychotherapeutische
Medizin „Omnipotenzansprüche“ (PSYCHE 5/2002), unterstellt ihm Absichten, mit einem eigenen Leistungskapitel die Richtlinientherapie untergraben zu wollen (EBM 2000plus) und gründet ein „Ärzteforum“, welches jedoch sogleich mit „gemischten“ Verbänden politische Koalitionen eingeht.
Diese Symptome zeigen, dass die offizielle Psychoanalyse nach wie vor ihr Verhältnis zur Medizin nicht geklärt hat und eifersüchtig auf Bemühungen von psychoanalytisch orientierten Fachärzten reagiert, den von der Psychoanalyse kommenden psychodynamischen Gesichtspunkt in der Medizin zu etablieren.
Dr. med. Richard Kettler, Reichsstraße 95, 14052 Berlin
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