ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2003Therapieabbrecher: Persönlichkeitsdefizite als Ursache

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Therapieabbrecher: Persönlichkeitsdefizite als Ursache

MS

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LNSLNS Obwohl der Abbruch einer Therapie ernste Folgen haben kann, wurden die Ursachen bisher kaum systematisch geprüft. Deshalb untersuchten die Autoren dieses Phänomen exemplarisch an einer Kurztherapie von Anorexia nervosa (AN). An der Studie nahmen 145 Patienten teil (99 vom restriktiven Typ, 46 vom binge/purging Typ). Die Patienten unterzogen sich einer individualpsychologischen Therapie, in die Techniken kognitiver, behavioraler, analytischer, existenzieller und klientenzentrierter Therapieformen einbezogen wurden. Jeder erhielt über sechzehn Wochen hinweg zwölf bis fünfzehn Einzelsitzungen. 31 Patienten brachen die Therapie vorzeitig ab. Die Autoren prüften, woran das lag. Die Probleme der Patienten liegen vor allem in deren Persönlichkeit begründet. Abbrecher können schlechter mit Ärger umgehen. Sie ärgern sich schnell, unterdrücken den Ärger oder lassen ihn impulsiv heraus. Darüber hinaus sind sie nur wenig kooperationsfähig, gehemmt und pessimistisch. Soziodemographische Variablen und die Schwere der Erkrankung standen hingegen in keiner Beziehung zum Therapieabbruch. Die Autoren meinen, dass die Persönlichkeitsmerkmale von Abbrechern auf charakterliche Unreife und Anpassungsschwierigkeiten hinweisen. „Der Patiententyp ist nicht fähig, eine stabile Beziehung zum Therapeuten aufzubauen.“ Dies führe dazu, dass die Patienten aus der Therapie „flüchteten“. Therapeuten, die versuchen, mit diesen Patienten eine Therapie durchzuführen, müssen neben der primären Störung auch Persönlichkeitsdefizite behandeln. ms

Fassino S, Daga GA, Piero A, Rovera GG: Dropout from Brief Psychotherapy in Anorexia nervosa. Psychotherapy and Psychosomatics 2002; 71: 200–206.

Prof. Secondo Fassino, Neurosciences Department of
Turin University, Psychiatry Section, Via Cherasco 11, CAP,
I-10126 Turin, Telefon: 00 39/0 11-6 63 48 48, E-Mail: secondo.fassino@unito.it
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