ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2003zur Buderus AG: Wackere Schwaben

VARIA: Schlusspunkt

zur Buderus AG: Wackere Schwaben

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ein Auftakt nach Maß kann dem neuen Börsenjahr gewiss nicht attestiert werden. Im Gegenteil, die Malaise setzt sich derzeit munter fort. Mitte der ersten Januarwoche rauschte der DAX locker unter die Marke von
3 000, und manche Einzelwerte, wie Siemens, SAP oder Infineon, verloren an nur einem Handelstag so viel wie etwa die zweifache Verzinsung einer Bundesanleihe eines ganzen Jahres. Bitter, bitter.
Dabei hatte ein gewisser G. W. Bush gemeint, er könne mit der Ankündigung eines 670-Milliarden-Dollar-Konjunkturpaketes die Märkte wachrütteln und den Aktien zu neuen Höhenflügen verhelfen. Pustekuchen, die inhaltliche Dürftigkeit der Idee wurde von den Investoren schnell verstanden und abgestraft.
Auf dem Weg vom globalen Blick hin zum Detail reift schnell die Erkenntnis, dass erstens weiterhin Vorsicht des Anlegers vornehmste Eigenschaft bleiben und zweitens ein Depot sorgsam nach attraktiven Einzelwerten abgeklopft werden muss, auf Neudeutsch Stockpicking genannt.
Nun hat es sicher keinen Sinn, sich auf irgendwelche heiße Tipps zu stürzen, die von Börsenbriefen, Infodiensten und smarten Aktiengurus via Mattscheibe, Internet oder in gedruckter Form verbreitet werden. In aller Regel haben „interessierte“ Kreise den Titel längst vorgekauft, die nur auf die gewinndurstigen Anleger warten, um sie gründlich abzuseifen.
Besser wäre es, eine Aktie zu finden, an der ein potenter Investor interessiert ist, dieses Interesse aber möglichst geheim zu halten trachtet, auf dass keiner das Gras wachsen hört. Noch schöner gar, wenn die umworbene Braut auch noch richtig was an den Füßen hat, also eine Heirat eigentlich gar nicht nötig hätte.
„So etwas gibt es doch gar nicht“, sagen Sie. Gibt es doch, sage ich. Mit der Buderus AG, dem bekannten Heizungsbauer aus Wetzlar, haben Sie einen solchen Fall. Das Unternehmen gehört in Deutschland zum sehr exklusiven Kreis recht gut verdienender Unternehmen, die Umsatzrendite liegt auch in schlechten Zeiten wie diesen nahe der Neunprozentmarke. Auf Basis des aktuellen Kurses von knapp 25 Euro liegt das Kursgewinnverhältnis mit 14 wirklich nicht in einem überhitzten Bereich.
Weitere Ertragsfantasie speist sich aus der Tatsache, dass ab 2004 die neue Bundesimmisionsschutzverordnung den Austausch Tausender alter Heizungsanlagen erzwingt. Besonders dieser Aspekt mag die wackeren Schwaben von der Robert Bosch GmbH bewogen haben, sich jetzt schon einen Anteil von 13,35 Prozent an Buderus zu sichern. Das sei ein reines Finanzinvestment, beteuern die Stuttgarter. Wer’s glaubt, übersieht die Boschsche Cleverness. Die geben erst dann Ruhe, wenn ihnen der Laden ganz gehört.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote