ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2003Gesundheitspolitik: Heilige Kuh schlachten

BRIEFE

Gesundheitspolitik: Heilige Kuh schlachten

Dtsch Arztebl 2003; 100(3): A-112 / B-104 / C-101

Wunderlich, Eckart

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Als im November 1989 in der damals üblichen Montagsdemonstration der Dresdner Schauspieler Friedrich Wilhelm Junge vor einer unübersehbaren und aufgebrachten Menschenmenge sagte: „Die heilige Kuh Sozialismus muss endlich geschlachtet werden“, waren wir erschrocken über die möglichen Folgen und da wir uns einen verbesserten Sozialismus durchaus vorstellen konnten. Aber die objektiven Umstände und der Lauf der Geschichte gaben ihm Recht.
Heute möchte man rufen, die heilige Kuh der solidarischen Finanzierung des Gesundheitswesens müsse endlich geschlachtet werden.
Wir haben uns angewöhnt, die Latte des medizinisch Notwendigen – auch in der Prävention – sehr, sehr hoch zu hängen, auch aus Freude am Machbaren. Solange aber ein einklagbares Recht des Krankenversicherten am medizinisch Notwendigen existiert, wird alles Machbare auch verwirklicht, es sei denn, der Patient lässt sich durch Misslichkeiten und Risiken doch von seiner Grundhaltung: „Ich nehme alles, was ich bekomme, ich habe einen Anspruch darauf“
(W. Windmann, „Die Zeit“ 21. 11. 02) abbringen. Die Anhäufung von Risikofaktoren ist gegenwärtig persönliche Lebensart, ihre Reduktion eine Solidar-Aufgabe. Das führt zunehmend dazu, dass diejenigen, die am meisten zur solidarischen Finanzierung beitragen, ihr am wenigsten entnehmen – und umgekehrt. Wenn nicht das Gesundheitswesen „durchökonomisiert“ würde, sondern jeder Krankenversicherte seine eigene ökonomische Gesundheitsplanung gestalten müsste, so würden die Ausgaben auch sinken, und karitative und mildtätige Einstellungen können in Gesundheitsberufen wieder gewinnen.
Dr. med. habil. Eckart Wunderlich, Friedrichstraße 39, 01067 Dresden
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige