ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2003Gesundheitspolitik: Wir können uns nur auf uns selbst verlassen

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Gesundheitspolitik: Wir können uns nur auf uns selbst verlassen

Dtsch Arztebl 2003; 100(3): A-112 / B-104 / C-101

Popert, Uwe

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LNSLNS Die rot-grüne Koalition steht mit dem Rücken an der Wand . . . Wer an der Wand steht, hat Panik; wer Panik hat, handelt reflexhaft und schlägt dorthin, wohin es sich schon immer lohnte: auf die Ärzte, insbesondere auf die Niedergelassenen. Weil diese nicht streiken dürfen und auch noch mehrheitlich unter Helfer-Syndromen leiden, sind diese hervorragende Prügelknaben. Deutschland ist das einzige Land der Welt, in dem Ärzte mit ihrem Privatvermögen für die Medikamente ihrer Patienten haften.
Das ist praktisch: Wenn jetzt das Geld überall knapp wird, dann muss den Ärzten nur noch irgendwie fehlerhaftes Verhalten untergeschoben werden, dann ist die Politik die Verantwortung für die Griffe in die Gesundheitsfinanzen los.
Das ist der Hauptgrund für die jetzt angezettelten Debatten über die „Qualität“ im Gesundheitswesen. Denn dass Verschlechterungen zu erwarten sind, ist eigentlich allen klar.
Natürlich werden unter der Sparpolitik Patienten leiden. Nicht die DMP-Patienten, nicht die Akutpatienten, sondern die mit den chronischen Nicht-DMP-Erkrankungen.
Niedergelassene konnten die schlimmsten Auswüchse bisheriger Gesundheitsreformen stets abfangen. Das wird in Zukunft immer nötiger sein, denn die DRGs werden mehr Kranke aus den Krankenhäusern in den ambulanten Bereich treiben, gleichzeitig werden aber Medikamente und Personal immer teurer. Damit die Niedergelassenen das brav schlucken und über die bisherigen durchschnittlich (!) 70 Stunden pro Woche arbeiten, will man sie gegeneinander ausspielen. „Wettbewerb“ im Gesundheitswesen nennt sich das dazugehörige Modewort. . . . Hausärzte werden nur dann umworben, wenn sie (vor der Wahl) für Stimmen sorgen sollen oder (nach der Wahl) mehr arbeiten sollen. Mehr Geld ist nicht vorgesehen. Im Gegenteil; erst wird der Inflationsausgleich geplündert („Nullrunde“), dann wird das vorenthaltene Geld wieder in Aussicht gestellt, wenn man mehr arbeitet (für DMP oder DRG).
Die Politik als Protegé der Hausärzte? Ein schöner Wunschtraum. Wir können uns nur noch auf uns selbst verlassen.
Uwe Popert, Dörnbergstraße 21, 34119 Kassel
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