BRIEFE

Apotheken: Hilferuf

Dtsch Arztebl 2003; 100(3): A-115 / B-106 / C-102

Meyer, Martin

Zu Auswirkungen des Beitragssatzsicherungsgesetzes auf Apotheken:
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LNSLNS Da sich die rot-grüne Regierung in Berlin anscheinend unter eine vor allem schalldichte Käseglocke verkrochen hat, um das nervige Gequengel des Volkes nicht länger ertragen zu müssen, selbst wenn es mal vernünftige (z. B. gesundheitspolitische) Sachargumente und Vorschläge vorbringt, wende ich mich an Sie. Und ob der Brief in einem Berliner „Regierungsschredder“ sein Ende nimmt oder vom „Entsorgungstrupp“ des Ärzteblattes entfernt wird, ist mir auch schon egal! Ich muss herausschreien, was anscheinend in dieser Republik niemand sieht oder sehen will.
In früheren Zeiten war es so, dass die Regierung das Steuervieh nur gemolken und geschoren hat, nun werden die ersten Stücke zur Schlachtbank geführt. Mit dem soeben durch den Vermittlungsausschuss geboxten konzeptions- und ziellosen „Beitragssatzsicherungsgesetz (BSSichG)“ geht’s damit los: Die Apotheker sind die Ersten. Wo andere Beteiligte im Gesundheitswesen mit Nullrunden davonkommen, werden die Apotheken wie beiläufig nahezu enteignet . . . Mit dem eingeleiteten Ausrotten der öffentlichen Apotheken werden auch mindestens 20 000 Arbeitsplätze gefährdet: Überwiegend Arbeitsplätze von Frauen, die über 90 % der Apothekenangestellten ausmachen und es erfolgreich geschafft haben, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Wenn Holzmann vor die Hunde geht, ist der Kanzler medienwirksam zur Stelle. Und hier? Lieber an anderer Stelle Unternehmensneugründungen fordern, denn den Mittelstand gilt es schließlich zu stärken, oder?
Nach vier langen Jahren an der Regierung haben es SPD und Grüne beschämenderweise immer noch nicht geschafft, den alten Holztanker Gesundheitswesen endlich auf Vordermann zu bringen. Sie geben nur der Crew inzwischen weniger zu essen und glauben das Meutern oder Kentern verhindern zu können, indem sie es einfach verbieten. Und wenigstens Land in Sicht? Schön wär’s.
Dass jemand nach seiner eigenen Pleite selbst noch die Konkursverwalterin (Ge­sund­heits­mi­nis­terin Schmidt) einsetzen darf, muss Herrn Schröder schon sehr freuen . . .
Die einzige Vision, welche die Regierung dem Gesundheitswesen derzeit gibt, ist der vom Kanzler in Aussicht gestellte: „Wettbewerb unter Apotheken“; jener, den die Drogerien schon hinter sich haben. Die Folgen für die Bevölkerung eines derartigen Vorhabens werden anscheinend ebenso von der Regierung ignoriert (Gefährdung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung in ländlichen Gegenden etc.).
Martin Meyer, Jahnstraße 16, 91054 Erlangen
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