ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2003Calciumantagonisten: Amlodipin verzögert Atherogenese

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Calciumantagonisten: Amlodipin verzögert Atherogenese

Dtsch Arztebl 2003; 100(3): A-139

Kreutzberg, Karin

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LNSLNS Die Entwicklung einer Arteriosklerose ist ein schleichender Prozess, bei dem erste Gefäßveränderungen im Kindesalter auftreten können. Bei den meisten Menschen nehmen sie ohne klinische Zeichen langsam zu, bis es zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt. Mit hochauflösendem Ultraschall lassen sich heute schon im Frühstadium solche vaskuläre Läsionen visualisieren und quantifizieren.
Ein Surrogatparameter der Arteriosklerose ist dabei die Intima-Media-Dicke (IMD) der A. carotis communis, die sich als unabhängiger Prädiktor für die atherosklerotisch verursachten myokardialen und zerebralen ischämischen Ereignisse erwiesen hat. Je dicker die Intima-Media, desto größer die Gefahr eines späteren Herzinfarkts oder Schlaganfalls.
Calciumantagonisten vom Dihydropyridintyp sowie einige ACE-Hemmer haben ein antiatherosklerotisches Potenzial. In der ARES-Studie (Amlodipin Regression Study) sollte geprüft werden, ob das lang wirksame Dihydropyridin Amlodipin (Norvasc®) oder der ACE-Hemmer Enalapril die Entwicklung arteriosklerotischer Gefäßveränderungen bei Hypertonikern besser hemmen kann, berichtete Prof. Klaus Stumpe (Bonn). 218 Patienten mit einem mittleren Blutdruck von 162 zu 98 mm Hg erhielten
in dieser multizentrischen, im Doppelblindversuch durchgeführten Studie für zwei Jahre randomisiert täglich 5 bis 10 mg Amlodipin oder 10 bis 20 mg Enalapril. Primärer Endpunkt war die Änderung der IMD der A. carotis communis an einer am meisten betroffenen Stelle.
Innerhalb der ersten drei Wochen sanken die Blutdruckwerte in beiden Gruppen vergleichbar ab und blieben bis zum Studienende auf normotonem Niveau. Die IMD reduzierten sich bei den mit dem Calciumantagonisten behandelten Patienten signifikant mehr als unter dem ACE-Hemmer. Sie nahm während der zweijährigen Therapie in der Amlodipingruppe um 0,11 mm (von 0,867 auf 0,758 mm), unter Enalapril um 0,08 mm ab (von 0,892 auf 0,813 mm). Eine Regression der IMD von 0,1 mm, die als erhebliche Verminderung des kardiovaskulären Risikos angesehen wird, zeigten 68,5 Prozent der mit Amlodipin und 49,5 Prozent der mit Enalapril behandelten Patienten.
Trotz vergleichbar guter Kontrolle der Blutdruckwerte, so Stumpe, falle die Regression der atherosklerotischen Gefäßveränderungen an der A. carotis communis deutlich stärker und häufiger unter dem Calciumantagonisten vom Dihydropyridintyp als unter dem ACE-Hemmer aus. Die fehlende Korrelation zwischen den Änderungen des Blutdrucks und der IMD lässt auf zusätzliche blutdruckunabhängige Mechanismen schließen.
Die ersten arteriosklerotischen Veränderungen spielten sich am Endothel ab, erklärte Prof. Hermann Haller (Hannover). Eine Hypertonie oder andere kardiovaskuläre Risikofaktoren machen die Permeabilitätsbarriere des Endothels löchrig, sodass Zellen aus dem strömenden Blut und Makrophagen in die Gefäßwand einwandern können. Außerdem werden Zytokine und Wachstumsfaktoren freigesetzt, welche glatte Gefäßmuskelzellen zur Proliferation anregen. Gleichzeitig kommt es zu einer vermehrten Bildung von Matrixproteinen. Das so geschädigte Endothel verliere die Fähigkeit, vasorelaxierende Substanzen wie Stickstoffmonoxid zu bilden, und sezerniere vermehrt vasoaktive Stoffe, erinnerte Haller. Calciumantagonisten greifen in die Arteriosklerose-Kaskade ein und hemmen die einzelnen Schritte der Atherogenese.
Da sie sowohl über antiproliferative als auch antioxidative Eigenschaften verfügen, können sie die endotheliale Dysfunktion wieder beheben. So steigern sie die Freisetzung von NO, reduzieren die freien Radikale und hemmen die Proliferation und Migration glatter Gefäßmuskelzellen. Calciumantagonisten eignen sich daher vor allem für die frühe Phase der Atherogenese, wobei Amlodipin unter den Vertretern dieser Wirkgruppe als derjenige mit dem größten antioxidativen Potenzial gilt.
Dr. med. Karin Kreutzberg

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